Die Blätter fallen: Stadt will Migranten wieder in Gehölzpflege einsetzen und hofft auf Bund

Schulz sieht bei Flüchtlingen grün

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Vor allem junge Syrer haben in den vergangenen Monaten bei der Pflege öffentlicher Grünanlagen geholfen. Eines solches Bild gibt es wahrscheinlich vorerst nicht mehr, auch wenn die Blätter schon bald wieder verstärkt von den Bäumen fallen.

Osterburg. Dass zumindest einige Flüchtlinge für immer in Osterburg bleiben, kann sich Bürgermeister Nico Schulz (CDU) gut vorstellen, ohne eine rosarote Brille aufzuhaben.

„Wer sich integriert, einbringt, sich an Spielregeln hält und hier wohlfühlt – warum nicht?!“ Leider dürfe die Gemeinde Migranten nicht weiter im grünen Bereich einsetzen. „Der Bund müsste ein Programm auflegen und möglich machen, dass Flüchtlinge für den Anfang im kommunalen Bereich unterkommen, und da bietet sich die Grünpflege geradezu an. “ In den vergangenen Monaten seien es vor allem junge Männer gewesen, die sich für ein bisschen Geld eingebracht hätten, und das zur Zufriedenheit der Gemeindearbeiter. „Wir als Stadt können die Leute aber nicht hauptamtlich einstellen. “.

Die Einheitsgemeinde gibt sich für einen möglichen neuen Schwung an Flüchtlingen gerüstet. „Was in der Türkei seit einigen Wochen passiert, ist eine Katastrophe. Wir wissen nicht, ob der Flüchtlingspakt mit dem Westen auf Dauer hält. Und in die hohe Politik haben wir sowieso keinen Einblick“, meint Schulz im Gespräch mit der AZ. Sollte sich die Situation in Syrien und Irak oder auch die in Afghanistan und anderswo wieder verschärfen und mit dem Winter auch zusätzliche Menschen nach Deutschland kommen, dann müsse dies gestemmt werden. „Wir als kleine Stadt können allerdings nicht unbegrenzt Leute aufnehmen.“ Aktuell leben 115 Flüchtlinge in Osterburg und Umgebung.

Im gesamten Landkreis sind momentan 3300 Ausländer registriert, darunter circa 1050 Flüchtlinge. Ingesamt haben laut Landrat Carsten Wulfänger (CDU) inzwischen 391 Menschen die Ostaltmark verlassen und sind in ein anderes Bundesland gezogen, darunter auch Flüchtlinge aus der Einheitsgemeinde Osterburg. Seit Anfang August gilt ein neues Integrationsgesetz. Flüchtlinge können demnach an den jeweiligen Ausgangsort zurückgeschickt werden. Wie viele der 391 Menschen wieder in den Landkreis Stendal kommen, lasse sich derzeit noch nicht sagen. In einigen Fällen sei das schon passiert, etwa in Gelsenkirchen. Ob zum Beispiel auch die Hansestadt Hamburg, wo es regelmäßig Flüchtlinge aus der Ostaltmark hinziehe, eine solche Politik verfolgt, bleibe abzuwarten. Inwieweit eine Kostenerstattung zwischen den jeweiligen Verwaltungen als Alternative möglich ist, müsse abgewartet werden, so der Landrat kürzlich im Kreistag.

Von Marco Hertzfeld

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