AZ sprach mit Einheitsgemeindebürgermeister Nico Schulz über Facebook und Flüchtlings-Fragen

Schulz: „Ich bin zuversichtlich“

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Nico Schulz

Osterburg. In den sozialen Netzwerken des Internets besteht eine Facebook-Seite, die den Titel „Osterburg lebt Weltoffenheit und hilft Menschen in Not“ trägt.

249 Nutzer dieser Plattform gefällt mittlerweile, was Nico Schulz (CDU), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Osterburg, dort im Netz veröffentlicht. AZ-Redakteur Alexander Postolache sprach gestern mit dem Stadtoberhaupt darüber, welche Ziele er mit der Seite verfolgt.

AZ: „Osterburg lebt Weltoffenheit und hilft Menschen in Not“ nennt sich die Seite bei Facebook. Wie wird in der Hansestadt Weltoffenheit gelebt?

Schulz: Indem wir Menschen anderer Nationalitäten willkommen heißen und jene, die notgedrungen in ein ihnen fremdes Land kommen, bereitwillig helfen. Und indem wir keine Angst haben, uns dieser Aufgabe zu stellen.

AZ: Sie haben für ein zwei Monate altes Baby einer syrischen Familie via sozialem Netzwerk ein Babybett organisiert. Soll die Hilfe für Menschen in Not vor allem in materieller Form über diese Online-Plattform organisiert werden?

Schulz: Wir treten ja nicht nur über die Facebook-Seite an die Bürger heran. Die erreicht wahrscheinlich eher das jüngere Publikum. Seit Wochen nutzen wir viele Medien, darunter die Presse und unsere Homepage. Die Kirchengemeinde ist über die Glaubensgrenzen hinaus eine große Hilfe.

Aber auch bei Versammlungen, den Literaturtagen, habe ich immer wieder für die Hilfsbereitschaft der Osterburger geworben. Die Spendenbereitschaft der Bürger ist überwältigend. Wir halten in der Verwaltung fest, was die Osterburger für die Flüchtlinge hätten und kommen bei Bedarf auf die Angebote zurück. In unserer Liste war allerdings noch kein Kinderbett vorhanden. Da hat die schnelle Kommunikation in den sozialen Netzwerken gut geholfen. Die Familie, eine von drei Familien die hier sind und die ich persönlich kennengelernt habe, ist versorgt.

AZ: Soll die Facebook-Seite auch notleidenden Altmärkern zugute kommen?

Schulz: Nein. Die Seite ist gezielt für die Flüchtlingsproblematik erstellt worden, um Hilfe zu organisieren, die Bürger zu informieren. Sehen Sie, wir haben diese Situation in dieser Dimension noch nie gehabt. Für mich ist die Integration ein wichtiges Thema. Einen Fahrplan habe ich allerdings noch nicht.

Ich bin aber zuversichtlich, gerade weil der Landkreis mit Landrat Carsten Wulfänger eine gute Arbeit leistet, die früh genug angefangen hat. Und auch die Osterburger zeigen den guten Willen.

AZ: Es wird in der „Ich-Perspektive“ kommuniziert. Sie sind der alleinige Administrator?

Schulz: Ja, bisher kümmere ich mich allein um das, was bei Facebook erscheint.

AZ: Haben Sie die Möglichkeit, Aufgaben abzugeben? Gibt es im Rathaus Stellen, die sich ausschließlich um Flüchtlinge kümmern beziehungsweise künftig Aufgaben übernehmen sollen?

Schulz: Was die Kommunikation auf Facebook angeht, werde ich das selbst weiter führen, wenn es die Zeit erlaubt. Ein neuer Mitarbeiter, der in unserem Haus gelernt hat, wird das Team des Ordnungsamtes verstärken und sich verstärkt mit dem Thema Flüchtlinge beschäftigen.

Bisher haben verschiedene Mitarbeiter verschiedene Aufgaben übernommen, vom Abholen von Spenden bis zur Fahrt zum Arzt. Ich möchte aber erreichen, dass sich die Familien, die bei uns ankommen, nicht andauernd an neue Menschen gewöhnen müssen, sondern auch feste Bezugspersonen haben.

AZ: Eine letzte Frage zur Kommunikation im Internet: Sie wollen, wie Sie sagten, die Einheimischen erreichen. Wie gehen Sie im Netz mit Kritik um?

Schulz: Da bleibe ich, wie Sie schon berichteten, bei dem Standpunkt, dass Hetze gleich zur Anzeige gebracht werden muss. Die Bewertung, ob jemand im Internet etwas „gar nicht so gemeint“ habe, muss dann die Polizei vornehmen. Ohnehin werden besonders in der Anonymität des Internets viele Lügen verbreitet. Denken wir nur an die Nachricht, dass Ausländer eine Supermarktangestellte in Stendal angegriffen hätten. Das verbreitet sich wie ein Lauffeuer und damit entsteht eine Hassgemeinde.

AZ: Was würden Sie einem Osterburger mit auf den Weg geben, der sich mehr als nur skeptisch gegenüber Flüchtlingen äußert?

Schulz: Ich würde versuchen, die Person zunächst einzuschätzen. Kann ich mit der Person reden? Kann man mit Fakten argumentieren? Oder ist dieser Mensch in seiner Ideologie fest? Ist der Bürger auf die „große“ Politik wütend? Ich kann hier nicht entscheiden, ob auf der Welt Kriege geführt werden. Ich kann auch nicht die Bundespolitik in ihrem Handeln im Ausland verantworten. Ich kann aber hier die Bedingungen schaffen, Menschen eine Perspektive zu geben, die sicherlich lieber in Frieden in ihrer Heimat leben würden.

AZ: Vielen Dank für das Gespräch.

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