Obdachlosenheim: Verwaltung denkt über Reaktivierung nach

Schulz: „Daumen nach unten hilft auch keinem“

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Das Haus, in dem Familie Katillus wohnte, soll laut Verwaltung nicht mehr zu retten sein.

Osterburg. Der Einsturz der Giebelwand eines Wohnhauses an der Wasserstraße hat vor allem eins offenbart. In einer solchen Situation fehlt der Biesestadt derzeit eine behindertengerechte Notunterkunft.

Das mussten jetzt Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz (CDU) und Ordnungsamtsleiter Matthias Frank eingestehen. Die nach dem Unglück im Mai obdachlos gewordene Familie Katillus wurde in der Folge in einem Domizil der Wohnungsbaugesellschaft, einer 100-prozentigen Tochter der Stadt, untergebracht. „Die Wohnung in der August-Bebel-Straße ist derzeit die beste Möglichkeit“, sagt Schulz. Sie sei zwar nicht behindertengerecht, doch zurzeit seien keine barrierefreien Wohnungen bezugsfertig, auch wenn Häuser wie an der Lindenstraße rollstuhlgerecht gebaut worden sind. Ihre derzeitige provisorische Unterkunft hatte Katillus im Gespräch mit der AZ deshalb abgelehnt. „Der Daumen nach unten, wie Katillus es gemacht hat, hilft auch keinem“, kommentiert Schulz die Lage.

Was der Verwaltung neben dem aktuellen Fall Sorgen bereitet, ist die Allgemeingültigkeit der Situation. „Es könnte eine solche Situation auch nach einem Brand auftreten, wenn die Wohnung danach nicht mehr bezogen werden kann“, so der Ordnungsamtsleiter. Nach Lösungen werde deshalb unabhängig vom aktuellen Fall um Rita Katillus und ihrem 80-jährigen an den Rollstuhl gefesselten Ehemann gesucht.

Es gehe darum, eine Wohnung vorzuhalten. Das verursache natürlich Kosten. Frank brachte ins Spiel, dass eine Wohnung des ehemaligen Obdachlosenheimes wieder hergerichtet werden könnte. Ute Pahl (Linke) sieht darin keine kurzfristige Lösung. Der Flur des Hauses sei zu eng und es gebe auch ein Treppe, so Pahl. Zudem müsste die Wohnung grundlegend saniert werden. Seit 2014 stehe das Haus an der Werbener Straße schon leer. Eine weitere Alternative, eine Wohnung im Haus am Großen Markt 11, stelle auch keine Lösung dar.

Mit dem Einsturz verbinde sich aber auch die Hoffnung, dass sich in der Wasserstraße jetzt noch mehr bewege als vorher schon erwartet. Es sei eine attraktive Lage im Zentrum der Stadt, sagte Schulz. Vielleicht könnte so auch ein Entwicklungsschub ausgelöst werden.

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