Hermann Kant Teil der Osterburger Literaturgeschichte / Werke des DDR-Autors kaum noch im Regal

„Schon von Krankheit gezeichnet“

+
Sein Roman „Die Aula“ machte ihn in beiden Teilen Deutschlands bekannt. Das Werk wurde kontrovers diskutiert. Schriftsteller Hermann Kant starb am Sonntag im Alter von 90 Jahren.

Osterburg. Der „Großschriftsteller der DDR“ und „eiserne Funktionär“ des realsozialistischen Schriftstellerverbandes, wie Hermann Kant mitunter genannt wurde, hat an der Geschichte der Osterburger Literaturtage (Olita) mitgeschrieben.

Vor zehn Jahren, im Frühjahr 2006, besuchte der zeitlebens nicht ganz unumstrittene Autor die Biesestadt und las aus seinen Werken. Marion Patitz kann sich noch gut an damals erinnern, auch wenn sie dem Schriftsteller aus organisatorischen Gründen nicht persönlich begegnen konnte: „Er soll damals schon von Krankheit gezeichnet gewesen sein. Man hat ihn im Saal auch nur schwer verstanden. “ Nach dem Tod Kants am Sonntag rechnet die Mitarbeiterin der Stadt- und Kreisbibliothek mit einem verstärkten Interesse an Büchern wie „Die Aula“, „Das Impressum“ und „Der Aufenthalt“.

Als Siegfried Lenz im Oktober 2014 starb, sei die Nachfrage nach dessen Werken schlagartig angestiegen. Im Fall Kants glaubt Patitz nicht an den ganz großen Ansturm, auch wenn der gebürtige Hamburger in der DDR ein Millionen-Publikum gehabt haben soll. Der Bestand an Kantwerken sei aktuell recht überschaubar. Auf den ersten Blick kann Bibliotheksmitarbeiterin Patitz nur von einem einzigen Exemplar „Die Aula“ berichten, das zudem aktuell mit der Fahrbücherei den Leser wechsele und nicht in der Einrichtung selbst stehe. Darüber hinaus könne Kants wohl erfolgreichstes Werk auch über den Onlinebereich ausgeliehen und gelesen werden.

Patitz kennt „Die Aula“, 1962 erschienen, noch aus der Schulzeit, der Roman sei ja so etwas wie Pflichtlektüre gewesen, obwohl der Autor darin ziemlich ironisch seine Erlebnisse in einer Arbeiter-und-Bauern-Fakultät beschreibe. Auch das Buch „Der Aufenthalt“ sei ihr noch ein Begriff. Kant zählt nicht zu den Favoriten der Ostaltmärkerin, zumal sie so etwas wie einen „Lieblingsautor“ auch gar nicht kenne. „Ich lese sozusagen querbeet, nicht unbedingt Romane, dafür aber vor allem populärwissenschaftliche Bücher und auch einmal einen Krimi.“

Kritiker haben Kant eine ungesunde Nähe zum SED-Politbüro vorgeworfen, zudem soll er andere Schriftsteller bespitzelt haben. Andererseits soll er immer wieder versucht haben, zwischen SED, Kulturbürokratie und Autoren zu vermitteln.

Kant sei eigentlich für die Olita 2005 eingeladen gewesen. „Vermutlich aus Krankheitsgründen wurde sein Auftritt dann in das Frühjahr 2006 verschoben“, erläutert Patitz, nachdem sie einen Sammelordner der Bibliothek studiert hat. Zehn Jahre danach wird die Biesestadt nun die Landesliteraturtage (Lalita) ausrichten. Für den 19. September bis 2. Oktober sind landkreisweit mehr als 100 Veranstaltungen geplant. Ein Höhepunkt ist die Lesung mit Susanne Fröhlich und Constanze Kleis. Die Karten für diesen Abend sind bereits ausverkauft. Wer sich für weitere Angebote interessiert, nutze www.landesliteraturtage2016.de. Karten für andere kostenpflichtige Veranstaltungen der Lalita lassen sich erstehen unter Tel. (03937) 895309.

Von Marco Hertzfeld

Kommentare