Bürgermeister liebäugelt wegen steigender Sudelei mit Videoüberwachung öffentlicher Plätze

Schmierfinken geraten ins Visier

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Kameras stehen seit einiger Zeit an den Freizeitstätten der Hochschule in Stendal.

Osterburg. „Einige Menschen verlieren offenbar jegliches Maß und Benehmen und missachten fremdes Eigentum, das in diesem Fall der Allgemeinheit gehört."

Der Osterburger Bürgermeister Nico Schulz denkt nach den vermehrten Schmierereien und Zerstörungen in der Einheitsgemeinde laut über Videoüberwachung im öffentlichen Raum nach. „Allerdings weiß ich auch, dass die rechtlichen Hürden dafür hoch sind. Außerdem dürften die Schandtaten noch nicht ausreichen, um diesen Schritt wirklich gehen zu dürfen, auch wenn das kein normaler und vernünftiger Mensch verstehen kann“, meint der Christdemokrat.

An die Sudelei auf dem Bahnhofsvorplatz und dem Busbahnhof haben sich die Bürger schon fast gewöhnt. Wände sind beschmiert. Immer wieder gehen Scheiben zu Bruch. Müll liegt umher, mitunter riecht es nach Urin. In jüngster Zeit habe es insbesondere das städtische Toilettenhäuschen am Bahnhof erwischt. Auch wenn es seit einiger Zeit ungenutzt sei, ärgerten ihn die illegalen Graffiti dennoch. Selbst vor Wandbildern aus Künstlerhand machen Schmierfinken nicht halt, die „Flusslandschaft“ am Biesebadgebäude, ein echter Hingucker, wurde mit Farbe verschandelt. Erst kürzlich traf es die Informationstafel für Touristen in Krumke. „Die Stadtmauer, das Gymnasium, Hauswände in der Osterburger Altstadt...“ Die Liste ließe sich noch weiter fortführen.

Schulz scheint einigermaßen ratlos und fürchtet am meisten um den frisch sanierten August-Hilliges-Platz oder das große Wandbild am Lies-Haus. „Wie gesagt, ich hätte überhaupt kein Problem damit, wenn an sensiblen Stellen eine Kamera stünde und alles überwacht.“ Der CDU-Mann kennt die Diskussion über das Für und Wider derartiger Anlagen, Stichworte: Überwachungsstaat, Datenschutz und Bürgerrecht. „Das mag ja alles irgendwie eine Rolle spielen, doch es sollte doch in erster Linie darum gehen, Vandalismus zu verhindern, präventiv zu handeln oder eben den Tätern auf die Spur zu kommen“, so der Bürgermeister im AZ-Gespräch.

Wo die Kommune ansetzen soll, um der Zerstörungswut Herr zu werden oder zumindest einzuschränken, weiß Schulz noch nicht. „Ordnungsamt und Polizei machen einen guten Job“, ist der 43-Jährige überzeugt. Als vor einiger Zeit das Sportlerheim in Erxleben beschmiert worden sei, hätten die Täter ja sogar quasi auf frischer Tat geschnappt werden können. „Ein Erfolg.“ Das Thema Vandalismus bleibe der Einheitsgemeinde sicherlich weiter erhalten. Der CDU-Mann will Politik und Verwaltung sowie natürlich die Bürger nun erst einmal noch mehr dafür sensibilisieren.

Von Marco Hertzfeld

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