Keine Rodung: Buchsbaum-Koryphäe Hönow sieht sich in Calberwisch bestätigt

Den Schloss-Buxus gerettet: Rote Rosen sollen blühen

Rodung oder Rekultivierung? Wilhelm Hönow hatte in diesem Fall die zweite Möglichkeit empfohlen. Der Babener kann nicht nachvollziehen, warum befallener Buxus gleich radikal gerodet werden muss. Schlossherrin Nadin Jüngst ist dankbar für den Rat des 76-Jährigen.

Calberwisch. Wilhelm Hönow kann es gar nicht erwarten, das Buxarium des Schlosses Calberwisch nach etlichen Wochen wieder mit eigenen Augen zu sehen. „Toll. Das habe ich erwartet. Hier sind wir mit Sicherheit über den Berg“, platzt es schließlich voller Freude aus ihm heraus.

Im Meer junger, gesunder Triebe sind nur einzelne graue Stellen zu sehen. „Wir müssen mit dem Pilz leben, aber er lässt sich eben tatsächlich in den Griff bekommen. Befallene Pflanzen müssen gezielt beschnitten und konsequent mit speziellen Mitteln behandelt werden. “ Den Buxus nicht kurzerhand einfach rauszureißen und auch den Boden nicht großartig abzutragen, sei eine „Absage an den Kommerz“. Man habe sich eine Menge Arbeit und vor allem viel Zeit und Geld gespart. Der Babener gilt bundesweit als Koryphäe für die langsam wachsende, immergrüne Pflanze.

Nadin Jüngst, die mit ihrem Ehemann Jochen das Anwesen im Sommer vergangenen Jahres erworben hat und zu neuem Glanz verhelfen will (die AZ berichtete), ist überglücklich. Der Buchsbaumpilz, den Fachleute lateinisch Cylindrocladium buxicola nennen, jagt der jungen Frau keine große Angst mehr ein. „Wir haben hier einiges vor.“ Die Familie bietet Hochzeiten im besonderen Rahmen an. Nötige Umbauarbeiten befinden sich in den letzten Zügen. Das im Stil der Neorenaissance erbaute Schloss ist zur Außenstelle des Osterburger Standesamtes avanciert. „Wenn sich der Buchsbaum weiter erholt hat, wollen wir hier auch rote Rosen pflanzen. Wir wünschen uns ein Rosenschloss.“

Hönow, der nach eigenen Angaben das Buxarium in Calberwisch Mitte der 1990er-Jahre mit Lehrlingen des Berufsbildungswerkes Stendal angelegt hat, freut sich auf die mögliche Bereicherung. „Ich bin jetzt 76 Jahre alt, wenn ich die 80 erreicht habe, dann möchte ich hier bitte in einem Rosengarten stehen.“ Den Pilz sollten die Schlossbesitzer auch weiterhin gut im Auge behalten. Er sei schließlich nicht aus der Welt. „Wir müssen mit ihm leben.“ Der Buchsbaum-Killer habe in ganz Deutschland seine Spuren hinterlassen, in der Altmark aber sei er noch nie so stark aufgetreten wie in den vergangenen Monaten. Hönow zur AZ: „Das feuchtwarme Klima hat ihm Aufwind gegeben.“

Hönow hatte den „Altmärkischen Freundeskreis Buchsbaum“ angeführt. Der Verein ist in der Deutschen Buchsbaumgesellschaft neu aufgegangen.

Von Marco Hertzfeld

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