Haus an der Wasserstraße freigelegt und gesichert / Katillus darf Sachen holen

Vor den Scherben ihres Lebens

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Rita Katillus hat die Gelegenheit, Sachen aus ihrer ehemaligen Unterkunft zu holen. Mit Stützträgern wurde das Haus gesichert.

Osterburg. „Das ist wirklich traurig, wenn man sieht, was von meinem Leben übrig blieb“, sagt Rita Katillus. Dass das so schnell gehen kann, sei nicht zu fassen.

Am Mittwoch hatte die Frau, deren Haus aussieht, als hätte am 26. Mai eine Bombe die Seitenwand ihres Hauses weggesprengt, die Gelegenheit in den Trümmern nach Wertgegenständen zu suchen. Man wolle ihr so viel Zeit geben, wie sie braucht. An einem Tag sei es aber auf alle Fälle nicht zu schaffen. Die Arbeiter vor Ort betreten aus Respekt die Wohnung der Familie nicht.

Gefährlich sei es nicht mehr. Mit mehreren Stützträgern wurde die Wohnung gesichert. Zuvor hatte der Bagger am Morgen behutsam Platz zum Arbeiten an der Hausseite geschaffen. Riskant herabhängende Holzbalken wurden entfernt, bevor Katillus gegen Mittag ins Haus durfte.

Ein Bagger legte  den Zugang zur Wohnung an der Wasserstraße im Herzen Osterburgs frei. Im Mai war die Giebelwand des Hauses in sich zusammengefallen.

Das meiste, was direkt an der Giebelwand befestigt war, ist nur noch Schutt und Asche. Katillus kommen fast die Tränen, als sie ein ihr lieb gewonnenes Gemälde sieht. Das Werk sei wertvoll, meint sie. 1000 Euro habe sie dafür bezahlt. Jetzt ist es aufgeschlitzt, der Rahmen zersplittert, und durch den vielen Staub sind nur noch ein paar Schwäne zu sehen. Auch eine Kuckucksuhr ist von den Arbeitern mehr schlecht als recht gerettet worden. Die Frau vermisst auch einige Wertgegenstände, welche sie unter dem Bett versteckt hatte. Zurück in das Haus an der Wasserstraße werde Rita Katillus und ihre Familie wohl nicht mehr können, hatte Bürgermeister Nico Schulz jüngst gesagt. Diese Botschaft nimmt jetzt immer mehr Kontur an. Informationen aus dem Kreis des privaten Eigentümers besagen, dass die Immobilie wohl nicht mehr zu retten ist.

Mit der Möglichkeit, wichtige Dinge noch herauszuholen, wolle man Katillus helfen. Eine behindertengerechte Wohnung für sie, ihren Sohn und den an den Rollstuhl gefesselten Mann werde unterdessen noch gesucht. Erst am Dienstag habe deswegen die Frau versucht, mit dem Bürgermeister zu sprechen. Noch hat sie Hoffnung, dass sie wieder zurück kann. „Ich will hier wieder rein“, sagt Katillus. Da könne sich der Vermieter auf den Kopf stellen. Gleichzeitig macht sie ihm Vorwürfe: „Als er das Nachbarhaus weggerissen hat, habe ich gesagt, lass das mal lieber. Hätte er nur auf mich gehört.“

Von Ronny Kauerhof

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