Hauseinsturz: Familie fehlt im neuen Quartier alles für Alter und Handicap

Ritas Welt aus den Fugen: „Wollen dort nicht bleiben“

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Die Menschen seien lieb, die Wohnungen gut, doch Rita Katillus möchte nicht bleiben.

Osterburg. „Die Menschen sind lieb und nett, aber wir können und wollen dort einfach nicht bleiben. “ So gut wie jedes Kind kennt Rita Katillus, und die grauhaarige Frau kennt jede Ecke dieser Stadt. Sie scheint stets und ständig unterwegs, ist mit allen per Du.

Doch nach dem Einsturz ihres Hauses an der Wasserstraße gerät die Welt des Osterburger Originals im wahrsten Sinne des Wortes aus den Fugen. Nach einigem Hin und Her ist die Familie mithilfe von Politik und Verwaltung in einer Wohnung an der August-Bebel-Straße untergekommen. Doch dort fühlt sich Rita, wie sie oft nur kurz genannt wird, nicht wohl. Das größte Problem: Das Quartier sei alles andere als alters- und behindertengerecht.

„Mein Mann ist chronisch krank, sitzt im Rollstuhl und mehr als 80 Jahre alt, daran hat offensichtlich niemand so richtig gedacht“, glaubt die Biesestädterin. Zwar liegt die Wohnung im Parterre, doch müssten trotzdem mindestens sieben Stufen bewältigt werden. „Ich hieve den Rollstuhl die Treppe rauf und runter. Den Mann müssen mein Sohn und ich dann gemeinsam tragen. Das geht nicht lange gut“, befürchtet sie und spricht von einer „Übergangslösung“, die rasch beendet sein möge. Sie habe das Wort der Verantwortlichen in der Gemeinde, dass sie diese Woche eine wirklich geeignete Wohnung erhalte. „Am besten in der Innenstadt, da bin ich eh viel unterwegs.“

Genau dort befindet sich ihr altes Zuhause, das es seit Donnerstag so nicht mehr gibt. Ein Giebel ist eingestürzt. Als die Mauer in sich zusammenkrachte, sei allein ihr Mann im Haus gewesen. Er blieb unverletzt. Eine befriedigende Erklärung hat die Osterburgerin für das Unglück nicht. „Vielleicht steckt da auch irgendeine Sauerei dahinter“, mutmaßt Katillus und reibt sich die müden Augen. Bürgermeister Nico Schulz, Ordnungsamtsleiter Matthias Frank, Mitarbeiter der Wohnungsvermieter hatten sich um die drei bemüht und gehofft, dass diese erst einmal zur Ruhe kommen wollen.

Katillus ist das ganze Wochenende immer wieder einmal aufgebrochen, hat das Gespräch gesucht und gefunden. „Die Osterburger wollen doch wissen, wie es uns jetzt geht.“

Von Marco Hertzfeld

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