111 Schüler im Kreis der Erwachsenen aufgenommen

Osterburg: Jugendweihe frei gewählt

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Sie sind die ersten Mädchen und Jungen, die an diesem Vormittag in Osterburg Urkunde und Blumen bekommen.

Osterburg . „Eltern sind auch nur Menschen. Und obwohl sie selbst Fehler machen, wollen sie einen noch erziehen. “ 111 Mädchen und Jungen aus Osterburg, Seehausen und Umgebung können es gar nicht erwarten, in wenigen Minuten werden sie die Jugendweihe erhalten.

Für Dr. Carl-Ulrich Bauer ist es die erste Festrede dieser Art, der 54-Jährige wurde in Westdeutschland geboren. Vielleicht findet der Geschäftsführer der Seehäuser Firma „Graepel“ auch gerade deshalb angenehm unaufgeregt den richtigen Ton. Ohne erhobenen Zeigefinger gibt der Unternehmer den jungen Altmärkern Rat mit auf den Weg, betont das Prinzip der Nächstenliebe und den ewigen Wert der Freiheit. Nachdem Martin Luther die Kirche reformiert hatte, seien junge Leute kirchlich erwachsen geworden. Und vor 150 Jahren sei die Konfirmation ohne Kirche erfunden worden. „Heute empfinden wir die Kirche in einem freien Staat nicht mehr als Bedrohung. Sie macht uns keine Angst. “ So haben noch nicht viele Festredner in die Historie der Jugendweihe geblickt.

Kurz bevor er laufen konnte, habe die Mauer schon gestanden und die DDR sei fortan ein Gefängnis gewesen. Er habe das Glück gehabt, im Westen groß zu werden, und konnte die DDR immer wieder einmal besuchen. „Das Gefühl von Freiheit bei jeder Ausreise“ und zurück in die Bundesrepublik sei jedes Mal groß gewesen. Überhaupt seien Freiheit und Gewaltlosigkeit wichtige Werte. Zu seiner Zeit nannten sich Gewalttäter Rote Armee Fraktion. „Ich nenne sie Idioten.“ Heute komme Gewalt auch aus religiösen oder besser scheinbar religiösen Quellen. Dr. Bauer: „Recht ist nur ein Rahmen, in dem wir uns bewegen, aber es ist kein Maßstab.“ Sätze wie dieser könnten bei den Jugendlichen hängen bleiben, trotz aller Aufregung an diesem Tag.

Die Mädchen zeigen sich im hübschen Kleid, die Jungen im feinen Zwirn und oftmals mit Krawatte. Janine Klesinski moderiert die Festveranstaltung. Die Interessenvereinigung Jugendweihe hat zwei Durchgänge organisiert, die Jugendlichen kommen aus dem Markgraf-Albrecht-Gymnasium, der Sekundarschule und der Förderschule „Anne Frank“ in Osterburg sowie der Gemeinschaftsschule Seehausen. Die Band „No Limit“ sorgt in der Linden-Sporthalle für die passende Musik. „Komm wir bring’ die Welt zum Leuchten...“ Adel Tawils Zeilen sind zu hören, aber auch Texte von Xavier Naidoo und anderen Musikern, die vielen junge Leute wichtig sind. Zwei Paare des Stendaler Tanzcentrums zeigen auf der Bühne eindrucksvoll, was sie können.

Von Marco Hertzfeld

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