Hobbyzüchter in Gladigau geben Idee einer Spezialschau noch nicht verloren

Für Ben nichts Exotisches: Alpaka auf großer Bühne

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Der dreijährige Ben ist den Alpakas am Mühlenberg in Gladigau wohlbekannt. Doch wer ist dieser andere Mensch?

Gladigau. „So viele Menschen können sich nicht irren. “ Das Alpaka stamme zwar aus Südamerika, sei aber in der Altmark allmählich kein Exot mehr, ist Werner Draab überzeugt.

Gut 15 Züchter oder zumindest Halter gebe es in der Region mit Sicherheit, glaubt Ehefrau Viola. Vielleicht organisiere ja doch irgendwer in nicht allzu ferner Zukunft eine große Schau, wie sie bereits vor einigen Jahren schon einmal geplant war. Wobei dafür natürlich nach wie vor jede Menge Geld, also zahlreiche Sponsoren und Fördergeld des Staates, und ein passendes Areal notwendig wären, glaubt die Familie, die ihre Neuweltkamele aus reinem Vergnügen hält. „Ein schönes Hobby. “.

Ben (3), Sarika (4), Melina und Tim (beide 10) ist das an diesem Nachmittag in Gladigau alles viel zu theoretisch. Die Enkelkinder wollen die Tiere sehen, schließlich ist es bereits eine halbe Stunde her, dass sie am Gehege waren. Die Rasselbande nimmt Fahrt auf und ist schneller weg, als die Erwachsenen sehen können. „Sie können mit den Tieren umgehen und machen nichts, was wir nicht gutheißen würden. Sie sind ja praktisch mit den Alpakas aufgewachsen“, erklärt die Frau des Hauses sichtlich stolz. Die Wiesen liegen direkt hinter dem Haus.

Fünf Alpakas recken die Köpfe und schauen sich den Besucher ganz genau an. „Sie bringen ein wenig Unruhe hinein, offenbar werden Sie für den Tierarzt gehalten“, vermutet Züchter Draab und lacht. Das Alpaka, eine domestizierte Kamelform aus den südamerikanischen Anden, ist ein Fluchttier, wie sich auch zeigt. Doch die Aufregung legt sich schnell. Der jüngste Enkel, Ben, vielleicht halb so groß wie ein Alpaka, holt sich eine bunte Leine, die zu „Lima“ gehört, wie er ganz genau weiß. Immer wieder einmal schauen auch Kinder aus Tagesstätten der Gegend oder andere neugierige Tierfreunde bei den Alpakas am Mühlenberg vorbei.

Angefangen hat alles mit einem Beitrag im Fernsehen über Alpakas und frei lebende Verwandte in Chile und Peru. „Wir haben uns einfach verliebt.“ Die mehr zufällige Begegnung mit einem Alpakazüchter von der Insel Rügen beim Pferdemarkt in Havelberg zerstreute letzte Zweifel. „Und nicht zu vergessen, die Wette mit Horst Fenzl“, sagt die Gladigauerin, schmunzelt und haut ihren Mann mit dem Ellenbogen in die Seite. Der grient und fügt hinzu: „Wette gewonnen. Horst, unser Altbürgermeister, der mittlerweile verstorben ist, wollte es damals einfach nicht glauben.“

Eine Stute und ein Hengst bereicherten 2007 das Leben in der Osterburger Ortschaft. Inzwischen sind es fünf Tiere, viel größer soll die Herde auch nicht werden. Darunter befinden sich der besseren Haltung wegen drei Wallache, die Draabs lassen ihre Stuten bei einem Zuchtfreund nahe Zerbst decken. Ende Juni rückt eine Schererin aus Chemnitz an. Jedes Tier liefert zwischen zwei und vier Kilogramm Wolle im Jahr. Das Naturmaterial wird anderswo gesäubert und in einer Manufaktur bearbeitet. Die Altmärker erhalten Rohwolle und fertige Produkte wie Socken und Pullover zurück. „Nach Kaschmir ist das die schönste Wolle“, meint die Gladigauerin, die auch gern selbst zu Stricknadeln greift.

Das Alpaka sei auch in anderer Hinsicht unschlagbar. „Es ist sehr leise, man hat keinen Ärger mit den Nachbarn. Und es lässt seinen Kot immer an einer Stelle fallen und verteilt es nicht im ganzen Gehege“, weiß Tochter Kristin. Alle seien mehr oder weniger vom Alpakavirus befallen, auch die zweite Tochter, Sandra, sowie der Rest der Familie. Die Produkte werden über Mundpropaganda unters Volk gebracht. „Man kennt uns, wir wollen nicht das große Geld machen.“ Als der Betonwerker 2015 seinen 60. Geburtstag feierte, versprach seine Frau, die in einer Buchhaltung arbeitet, eine gemeinsame Reise nach Peru. „Wir wollen die Alpakas dort sehen.“

Von Marco Hertzfeld

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