„Mitunter überschätzen sie sich“

Nach Badetod junger Flüchtlinge zeigt sich Seehäuser Freizeitstätte gewarnt

Badbetreiber und Förderverein denken auch an ihre ausländischen Gäste. Im Faltblatt erklärt die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen das richtige Verhalten auch auf Arabisch, Französisch und Englisch. Ein Beispiel: Ins Schwimmerbecken dürfen nur sichere Schwimmer.

Seehausen. „Junge Männer sind doch alle gleich, egal, woher sie kommen, mitunter überschätzen sie sich“, meint Dr. Walter Fiedler und schmunzelt.

Ein Flüchtling aus Syrien oder anderen Ländern habe allerdings einen Nachteil, er könne in der Regel die Warnschilder im Seehäuser Waldbad nicht richtig oder gar nicht lesen. „Das kann unter Umständen tödlich enden“, glaubt der Vorsitzende des Fördervereins und pensionierte Notarzt. Die Wittenberger Betreiberfirma hat deshalb Faltblätter mit Sicherheitshinweisen verteilen lassen, die auch Araber lesen können. Zudem hänge eine große Tafel im Eingangsbereich, deren Bilder alle Badegäste deuten können sollten.

„Wir mussten vor Kurzem jemanden zwar nicht gleich retten, aber ihn schon mit einiger Anstrengung aus dem Wasser holen. Vermutlich hatte er nicht begriffen, dass es im Becken flache und tiefe Stellen gibt.“ Unter dem Sprungbrett geht es immerhin 3,80 Meter tief hinab. Da könne auch der selbstbewussteste Gast schnell einmal den Boden unter den Füßen verlieren. Im Raum Magdeburg sind innerhalb kurzer Zeit drei Flüchtlinge ertrunken, zwei Syrer in der Elbe, ein 14-jähriger Afghane im Flüsschen Ehle. Auch wenn die Gefahren in freier Natur noch einmal ganz andere sind, möchte Dr. Fiedler solche Meldungen über das Waldbad auch weiterhin nicht lesen müssen. „Wir tun gut daran, unser Bestes zu geben und das zu verhindern.“

Beschwerden über Ausländer, die weiblichen Badegästen angeblich oder tatsächlich all zu nahe gekommen seien oder verbal belästigt hätten, habe es übrigens in Seehausen nicht gegeben. „Warum auch?! Wir gehen davon aus, dass sich alle an die Spielregeln halten“, betont der Vereinschef im AZ-Gespräch. Junge Flüchtlinge aus Seehausen und Umgebung sowie Betreuer kommen regelmäßig in die Freizeitstätte. Nach Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan am 5. Juli soll im Waldbad ein Schwimmkursus für Flüchtlinge beginnen.

Von Marco Hertzfeld

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