Elf unerklärliche Angriffe auf Jungtiere bei Wolfsschützern gemeldet

Mysteriöse Kalbskadaver

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Mit solchen Kadavern hatte es Andreas Berbig von der Referenzstelle Wolf zuletzt mehrfach zu tun. Die stark abgefressenen Tierkörper machen ihn ratlos. Jüngster Fall ist auf dem Bild rechts ein Kalb, das vergangenen Woche bei Walsleben gefunden wurde.

Walsleben. In den vergangenen Monaten sind bei der Referenzstelle Wolf in Arneburg mehrere Fälle von Angriffen auf Kälber verzeichnet worden. „Bei elf kann man vermuten, dass es sich um Wolfsangriffe handelt“, sagt Andreas Berbig von der Referenzstelle.

Allerdings sei die Spurenlage nicht eindeutig, da häufig keine Kehlbisse zu finden waren. Den jüngsten Fall musste Berbig vergangene Woche auf dem Gelände eines Landwirtes zwischen Walsleben und Ziegenhagen untersuchen. Landwirt Rainer Prothmann vermutete einen Wolfsangriff.

Was er bei solchen Fällen vor Ort vorfindet, ist selbst für ihn ungewöhnlich. Nie zuvor hatte er so stark abgefressene Tierkadaver gesehen. Es hätten sich zwar auch andere Tiere wie Vögel daran zu schaffen gemacht, aber so sei es ihm nicht untergekommen. Sorgen bereiten auch die Zahlen, die Berbig präsentierte. So habe es in den vergangenen Jahren immer wieder eine Verdopplung der Fälle von Angriffen auf Nutztiere gegeben.

In Walsleben ist man unterdessen größtenteils der Meinung, dass der Wolf „hier nicht hergehört“. Auch der Bürgermeister der Einheitsgemeinde, Nico Schulz, würde gern dieses Problem vom Tisch haben. „Ich glaube nicht, dass der Wolf vom Aussterben bedroht ist. Er kann sich in Kanada oder Asien ausbreiten.“ Seit 2008 bereitet sich der Wolf in Sachsen-Anhalt au.

Den mittlerweile stark von der Angst und dem Hass gegenüber dem Wolf geprägten Walslebenern rät Berbig, sich nicht einzuschränken und wie gewohnt auch den Wald aufzusuchen. Sollte es dennoch zu Begegnungen mit Isegrim kommen, sollen die Menschen klatschen oder anderweitig Krach machen. Landwirten empfiehlt Berbig die vorgeschriebenen Zäune oder einen Herdenschutzhund, dessen Finanzierung für Nutztierhalter derzeit auf Landesebene diskutiert wird. Letzlich muss aber auch Wolfschützer Berbig eingestehen, dass der Wolf ein Raubtier ist und es Respekt verdient.

Von Ronny Kauerhof

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