„Mit dieser Seite möchte ich Unterstützer werben“

Nico Schulz plädiert auch in sozialem Netzwerk für weltoffenes Osterburg

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Für ein weltoffenes Osterburg wirbt Einheitsbürgermeister auch im Internet. Und weist gleichzeitig Gegner in die Schranken. Hetze habe zu unterbleiben.

Osterburg. „Die Lage ändert sich fast täglich“, betonte Osterburgs Einheitsgemeindebürgermeister Nico Schulz im jüngsten Hauptausschuss.

Bis zu 200 Personen aus überwiegend syrischen Familien, die allen Schichten angehörig sind, sollen noch in diesem Jahr in Osterburg eine neue Bleibe finden.

Die Hansestadt zeigt sich dem Problem gegenüber gut gerüstet. Die ehemalige Berufsbildungsakademie (BBA) am Bültgraben bietet Platz für 65 Flüchtlinge. Dort sollen überwiegend Einzelpersonen untergebracht werden. Für Familien sind Wohnungen vorgesehen, die vom Landkreis angemietet werden (AZ berichtete). Weitere Kapazitäten für zirka 40 Personen bietet ein ehemaliger Getränkehandel an der Düsedauer Straße und eine Familie in der Gartenstraße, die eine Wohnung für vier Personen zur Verfügung stellen möchte.

Da viele Flüchtlinge eines Tages unbedingt wieder zurück in ihre Heimat kehren wollen, wünscht sich Schulz dennoch einige Familien in Osterburg zu halten und zu integrieren. „Um dem demografischen Wandel entgegen zu treten und da wir Kinder in unserer Region brauchen.“

Genügend Kapazitäten seien jedenfalls laut Anke Müller, zuständig für Verwaltungssteuerung und Demografie, in den Kindergärten vorhanden. Osterburg möchte Flagge bekennen und helfen. Das Stadtoberhaupt hat dafür initiativ die Facebook-Gruppe mit eigenem Logo, „Osterburg lebt Weltoffenheit und hilft Menschen in Not“ gegründet. „Mit dieser Seite möchte ich Unterstützer werben, informieren und Hilfe koordinieren.“ Eine spezielle Einwohnerversammlung zum Flüchtlings-Thema, wird es am Mittwoch, 23. September, ab 19 Uhr im großen Saal der Osterburger Stadtverwaltung, Ernst-Thälmann-Straße 10, geben.

„Die Bürger sollen aufgeklärt werden, was auf uns alle zukommt. Wir möchten darüber informieren, Fragen klären. Aber vor allem wünsche ich mir eine vorurteilsfreie, sowie angstfreie Herangehensweise an das Thema“, so der Einheitsgemeindebürgermeister abschließend während der Sitzung des Hauptausschusses. Im sozialen Netzwerk betont er weiter: „Die Flüchtlingskatastrophe ist nun auch in Osterburg angekommen. Wir wollen die vor Krieg und Gewalt Geflohenen freundlich empfangen und ihnen helfen.“ Rund 150 hatte „Likes“ hat die Facebook-Seite bereits am Freitagnachmittag. 40 weitere „Gefällt mir“-Angaben kamen innerhalb von 24 Stunden hinzu.

Bis Sonntagnachmittag war die 200er-Zahl erreicht. Das Profilbild ist treffend zum Thema grafisch gestaltet worden. So zeigt dieses eine angedeutete Weltkugel mit einer grünen Insel, auf der Osterburg als Silhouette dargestellt wird. Eine weiße geschwungene Linie wirkt wie eine Straße, die zum Turm der markanten Stadtkirche St. Nikolai führt und die die Aussage „Willkommenskultur“ signalisiert.

Schulz weist allerdings auch klar im sozialen Netzwerk darauf hin, dass „Hetze“ und Meldungen des Hasses keinen Platz auf der Facebook-Seite haben. „Ich weise hiermit darauf hin, dass Beiträge von strafrechtlicher Relevanz konsequent von mir zur Anzeige gebracht werden“, kündigt der CDU-Politiker in einem Eintrag unmissverständlich an.

Von Stephan Metzker und Alexander Postolache

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