„Schmiede“ zieht’s zum Jahrmarkt

Lothar Zahn sieht kreativ unkommerziellen Bedarf

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Lothar Zahn mag es bunt und unkonventionell. Der Jahrmarkt soll andere mitziehen.

Polkau. „Hereinspaziert, hereinspaziert!“ Lothar von Polkau und zu Erxleben, alias Lothar Zahn, breitet die Arme aus und preist einen der insgesamt neun kunterbunten Stände an, als befände er sich bereits inmitten vieler erlebnishungriger Menschen.

Der Verein „Die Schmiede“, der sich dem Jugendaustausch und der Kultur verschrieben hat, will mit einem mobilen Familienjahrmarkt die Veranstaltungsszene im Landkreis Stendal bereichern. „Kreativ, gewaltfrei und nicht kommerziell – dieses Credo spiegelt sich in den Angeboten wider. “ Ein Großteil der Stationen passe in ein einziges Auto und sei schnell aufzubauen. Die Generalprobe ist für den 25. September in Wanzer geplant. Dort findet der alljährliche Herbstmarkt statt.

„Wir arbeiten mit zahlreichen Vereinen und Initiativen zusammen, haben schon viele Veranstaltungen erlebt und oft ist dieser Alibisatz zu hören: ,Wir müssen ja auch was für die Kinder machen.’ Schrecklich, meistens läuft es dann auf eine Hüpfburg hinaus, und weitere Angebote sind sauteuer.“ Der Schmiede-Verein, dessen Wurzeln mehr als 20 Jahre zurückreichen, sei so gut wie immer ohne irgendwelche Fördermittel ausgekommen. „Darauf sind wir stolz.“ Vor allem Eva Bretschneider, die Vorsitzende, Christian Holz, Christian Brode und Georg Kirsch haben neben Zahn an dem Polkauer Jahrmarkt gearbeitet.

Natürlich dürfen Klassiker wie das Entenangeln nicht fehlen. Wobei der Verein rosa Enten schwimmen lässt und nicht gelbe, wie sonst üblich. Zahn und Mitstreiter machen sich seit geraumer Zeit auch für Aufklärung und gegen Homophobie stark. Ein weiteres Spiel nennt sich „Lass die Schmetterlinge frei“ und wendet sich gegen die Käfighaltung von Tieren. „Es lässt sich die eine oder andere politische Botschaft erkennen, sicherlich, allerdings wollen wir sie nicht mit dem Holzhammer unters Volk bringen. Spaß und Spiel sind wichtig. Wenn man dabei noch etwas lernt, umso besser“, so Zahn im AZ-Gespräch.

Büchsen- und Hufeisenwerfen, Bälleversenken, Nägeleinschlagen, Strippenziehen ... Die Vereinsmitglieder haben geplant, Material beschafft, geschraubt und geklebt. Mal wurden Schanktische und Bänke geschickt umgebaut, mal auch nur Wäscheklammern angemalt. Für lau hat es das alles nicht gegeben. „Unterm Strich hat es für unsere Verhältnisse ein kleines Vermögen gekostet.“ Irgendwann später einmal sollen sich Interessierte den Jahrmarkt auch für kleines Geld ausleihen können. Zahn denkt an Dorffeste, Kindergeburtstage und auch Hochzeiten. Doch jetzt will sich der Verein erst einmal selbst ins bunte Leben stürzen. Im Oktober soll Zahn das Projekt bei einem Demokratie-Symposium in Stendal vorstellen und wenig später die „Interkulturellen Wochen“ bereichern. Wer schon jetzt mehr wissen möchte, wähle Tel. (039328) 98 99 62.

Von Marco Hertzfeld

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