Großlandkreisliches SDL hat es zumindest im Norden zunehmend schwer

Lokalpatrioten legen zu: 3776 OBG-Kennzeichen

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Ein OBG-Schild sucht man bei den Brandschützern vergebens – fast. Gerätewart Peter Klinke hat das Kennzeichen eines alten Fahrzeuges zur besseren Ansicht kurz abgeschraubt. Die modernen Einsatzfahrzeuge weisen allesamt die SDL-Kennung auf. Etwas anderes sei ja auch jahrelang nicht möglich gewesen. Der nächste Neuerwerb werde aber garantiert wieder ein OBG-Kennzeichen tragen. Privat seien viele Kameraden längst mit einem OBG-Nummernschild unterwegs, oft enthalte es zudem den Feuerwehr-Notruf 112.

Osterburg. Das Fahrzeugkennzeichen OBG für Osterburg ist beliebt. Immer mehr Menschen aus der Einheitsgemeinde sind mit diesen Buchstaben unterwegs.

Von den aktuell im Landkreis Stendal registrierten 77 058 Fahrzeugen und 16 167 Anhängern haben insgesamt 3776 diese Heimat-Kennung. Seit November 2012 dürfen OBG-Schilder in der Kfz-Zulassungsstelle nach einer längeren Pause wieder geprägt werden. Der ganz große Ansturm war damals noch ausgeblieben. Mitte 2013 zählte die Verkehrsbehörde keine 800 lokalpatriotischen Kennzeichen. Ihre Zahl hat sich inzwischen mehr als vervierfacht. Das weitverbreitete SDL für Stendal hat es zumindest in dieser Gegend zunehmend schwer.

„Die Verordnung gilt nur für Kennzeichen, die es schon einmal gegeben hat“, erinnert Edgar Kraul, ein Sprecher des Landratsamtes in Stendal. HV für Havelberg kommt inzwischen wieder 2124-mal vor. Weit vorn liegt nach wie vor SDL mit 87 325 Schildern. An dieser Vormachtstellung dürfte sich schon allein deshalb nichts ändern, weil allein drei Varianten im Landkreis möglich sind. Tangermünde beispielsweise war nie Kreisstadt, und der Kreis Tangerhütte hatte es nicht ganz bis zur politischen Wende geschafft. Demzufolge kann es für beide Städte auch keine bundesdeutschen Altkennzeichen geben. Ähnliches gilt für die anderen größeren Orte in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel.

Die Gebühr für den Wechsel der Kennbuchstaben von SDL auf OBG oder HV und natürlich auch in Gegenrichtung beträgt insgesamt 38,30 Euro. „Das ist auch der Betrag, der für eine Neuzulassung fällig wird. Bei dieser lassen sich die Kosten um 10,20 Euro reduzieren, wenn man sich ein Kennzeichen zuteilen lässt“, erläutert Kraul.

Die Umkennzeichnung sei ja immer mit einem Wunschkennzeichen verbunden, deshalb würden bei diesem Vorgang die Gebühren dafür zwangsläufig fällig. Hinzu komme in beiden Fällen das Geld, welches die Schilderpräger für ihre Arbeit verlangten.

Jetzt ist es übrigens auch möglich, im Landkreis Stendal Autokennzeichen mit vier Ziffern zu erwerben. „Wer möchte, kann also beispielsweise das komplette Jahr seiner Hochzeit zeigen: SDL H 2015.“ Dabei gibt es allerdings einiges zu beachten, da die Gesamtlänge der Kombination aus Buchstaben und Zahlen nicht überschritten werden darf. Kraul: „OBG und SDL können nur einen Buchstaben verwenden, wenn eine vierstellige Zahl gewünscht ist.“ Erlaubt sind etwa OBG S 1234 oder SDL M 8453. Es geht nicht: OBG KR 2468 oder SDL PW 9876. Bei HV hingegen ist zum Beispiel dies möglich: HV EM 3456.

Um längere Wartezeiten in der Kfz-Zulassungsstelle zu vermeiden, sollte gerade in der Urlaubszeit ein Termin vereinbart werden. Das geht nur per Internet. Auf der Startseite www.landkreis-stendal.de gibt es einen Button „Kfz-Zulassung online“. Dort lassen sich vor dem Besuch der Kfz-Zulassungsstelle in Stendal auch bereits erste Daten übermitteln. „Wer auf diesem Wege einen Termin erhalten hat, kann zu diesem Zeitpunkt zur Tauentzienstraße fahren und vorbei an allen Wartenden sofort zum ,Internetschalter’ gehen“, erklärt der Landkreis-Sprecher.

Bei einem weiteren Service auf der Internetseite des Landkreises geht es um das Wunschkennzeichen. „Leider funktioniert hier die Reservierung der vierstelligen Zahlen noch nicht. Dafür müssen wir leider warten, bis die Programmierer der Zulassungssoftware aus dem Sommerurlaub zurück sind.“ Der Landkreis werde nach der Ferienzeit so bald wie möglich Kontakt zu der Herstellerfirma aufnehmen und ein Anpassen der Datenmasken veranlassen, kündigt Kraul gegenüber der AZ an.

Von Marco Hertzfeld

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