Suche nach dem Ur-Gen: Osterburger Dr. Himmel hält die überaus robusten Heckrinder in der Wische

Dem legendären Auerochsen so nah

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Dr. Ulrich Himmel hat in seiner beruflichen Karriere mit allerhand Tieren zu tun gehabt. Das Heckrind begleitet ihn auch im Ruhestand. Die Tiere sind ganzjährig draußen. Das Grünfutter wächst von allein, im Winter kommt Heu dazu. Kraftfutter ist unnötig.

Wasmerslage. „Jetzt los, lasst euch nicht so lange bitten. Nun kommt, nun kommt“, lockt Dr. Ulrich Himmel. Ein Bulle hebt seinen mächtigen Kopf und bewegt sich ein paar Schritte näher, der Rest der Herde wartet lieber ab.

Besucher schauen sehr selten vorbei, und eine Fotokamera blitzt dann schon gar nicht auf. Die robusten Heckrinder stehen auf einer üppigen Wiese in Wasmerslage. Sie erinnern an den gewaltigen Auerochsen, auch Ur genannt, eine im 17. Jahrhundert ausgestorbene Wildform des Rindes. Geblieben sind ein paar Abbildungen in Fachbüchern, mehr nicht. Und die Leidenschaft von Menschen wie Dr. Himmel. Der Osterburger züchtet seit mehr als zwei Jahrzehnten Heckrinder. „Ich will damit kein Geld verdienen. Es ist das reine zoologisch-biologische Interesse. “.

Die rustikalen Tiere scheinen wie geschaffen für die Wische. Und dennoch ist die Rasse dort überaus selten, im Rest des Landkreises sowieso. Dr. Himmels Herde besteht aus fast 20 Exemplaren, darunter sind drei Kälber, eines ist knapp eine Woche alt. Der gebürtige Thüringer und einstige führende Mitarbeiter des Instituts für Rinderproduktion der DDR in Iden setzt die Rinder zur Land- schaftspflege ein. Dafür gibt es Geld vom Staat, der Grünland aus ökologischen Überlegungen nicht verbuschen lassen will. Regelmäßig landen auch Tiere beim Schlachter, was Gourmets zu schätzen wüssten. „Das feinfaserige, dunkle Fleisch ist Spitze.“

Die Mastleistung hingegen eher mau, das Heckrind wächst langsam.

Die Rasse ist in den 1920er-Jahren entstanden und nach den Brüdern Heinz und Lutz Heck benannt. „Im Heckrind stecken unter anderem das Ungarische Steppenrind, das Korsische Rind, das Schottische Hochlandrind und vielleicht auch der spanische Kampfstier.“ Von einer Rückzüchtung zum Auerochsen will der 68-Jährige nicht sprechen. „Das ist Quatsch. Rassen werden gekreuzt in der Hoffnung, das Ur-Gen zu finden. Und irgendwie nähert man sich so dem Ursprung. Das ist ungemein spannend und aufregend.“ Von der Farbe her kommt das Heckrind dem Auerochsen sehr nahe, Bullen sind dunkel, Kühe etwas heller. Bei der Größe scheinen die Unterschiede beachtlich, während der Ur es über 1,80 Meter schaffte, kommt das Heckrind vielleicht auf 1,40 Meter. Dennoch hinterlassen die urtümlichen Tiere mit ihren vergleichsweise langen Hörnern beim Betrachter einen tiefen Eindruck. Ein Bulle kann übrigens gut 700 Kilogramm auf die Waage bringen. „Den Respekt vor Tieren sollte ja sowieso niemand verlieren“, meint der Diplomlandwirt.

Von Marco Hertzfeld

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