Mediziner spricht mit Selbsthilfegruppe über „Volkskrankheit“ Diabetes

Lebensgefahr nach Minuten

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Der Osterburger Facharzt Ingo Ungewickell war Gast beim Treffen der Diabetikerselbsthilfegruppe.

Osterburg. Jedes Kind lernt es in der Schule. Die drei wichtigen Bausteine, die Benzin für die menschlichen Zellmotoren sind, heißen Eiweiße, Fette und Kohlenhydrate. Letztere sind besonders für die Leistungsfähigkeit des Gehirns unverzichtbar.

Sie sind aber auch „der Feind des Diabetikers“, wie der Osterburger Facharzt Ingo Ungewickell deutlich macht. Wird zu wenig des Energiespenders aufgenommen, droht dem erkrankten Typ-2-Diabetiker die Unterzuckerung.

In vielen medizinischen Notfällen ist der Faktor Zeit entscheidend. Das gilt auch dann, wenn der Blutzuckerwert zu stark in den Keller rutscht. „Länger als drei Minuten und es geht einiges im Kopf kaputt“, erfuhren die Mitglieder der DiabetikerSelbsthilfegruppe, die sich regelmäßig in den Räumen der Volkssolidarität treffen.

Der gegenteilige Trend, zu viel Kohlenhydrate zu sich zu nehmen, ist ebenso gesundheitsschädigend. Der Weg in die Krankheit ist allerdings in dieser modernen Gesellschaft fast schon zu einfach. Der Fahrstuhl, Autos, Fernbedienungen und Handy – der Mensch habe sich laut Ungewickell alle Möglichkeiten genommen, in Bewegung zu bleiben. Zum Mangel an Mobilität geselle sich dann zudem das Übergewicht. Die Fettleibigkeit resultiere aus dem Konsum von jenen Lebensmitteln, die, industriell gefertigt, ein Mehr an Energie liefern, das schnell über den Tagesbedarf hinaus reiche.

„Wie haben wir uns vor 40 000 Jahren ernährt?“ Dieser Frage sollte man nachgehen, um nicht in der Volkskrankheit Diabetes zu landen. Denn moderne Ernährung bedeute zunehmend, sehr süße, zuckerhaltige Speisen, die den Blutzuckerspiegel schnell in die Höhe steigen lassen. Ein Zustand, dem der Körper dann bis zur Ermüdung mit der Produktion von Insulin gegensteuern will. Kohlenhydrathaltige Lebensmittel, deren Zuckerverbindungen langsam vom Körper verdaut werden, wie Vollkornprodukte, seien zu bevorzugen. Toast, Süßigkeiten und Limonaden sind in Maßen zu genießen.

13 Mitglieder zählt die Selbsthilfegruppe, die sich in der Gartenstraße 32 in Osterburg trifft und deren Begegnungsstätte der Volkssolidarität unter Tel. (03937) 825 79 zu erreichen ist. Diese traten mit dem Mediziner in Dialog und wollten unter anderem wissen, welche Möglichkeiten der Beratung es für Diabetiker außerhalb dieses Treffens gebe. Ungewickell empfahl an erster Stelle den Hausarzt zu fragen. Dieser könne in der Regel seine Patienten schulen oder durch sein Fachpersonal im Umgang mit der „Zuckerkrankheit“ schulen lassen. „Normal sind dabei vier Blöcke, die jeweils eine Stunde dauern“, in denen über Ernährung, Bewegung und Symptome aufgeklärt wird.

Von Alexander Postolache

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