Jörg Schwedler (37) über altmärkisches Improvisationstalent und Leseformate

„Kultur muss frech sein“

+
Als Mitglied der Lesebühne „LÄNGS“ sind einige von Jörg Schwedlers Texten im Buch „Die Farben sind scheiße, aber die Texte sind geil“, 2013 im Blaulicht-Verlag erschienen, zu lesen.

Osterburg. Fast 40 Veranstaltungen in zwei Wochen, die Arbeit der Organisatoren rund um die Osterburger Literaturtage (Olita) kann sich sehen lassen. Noch zwei Tage, dann ist das Lesespektakel vorbei.

Doch nach dem Spiel ist bekanntlich vor dem Spiel und auch für diese, bereits 16. Olita sei man fast ein Jahr im Voraus in die Planung gegangen, so die Leiterin der Kreisbibliothek, Anette Bütow, beim Start des Kartenvorverkaufs im September. Zu diesem Zeitpunkt allerdings waren „Hochkaräter“ wie die Lesung mit Wladimir Kaminer schon vergriffen. Das kam nicht überall gut an: „Der gemeine Mob bekommt doch keine Karten für so ein Event“, findet leise Kritik bei einer Unterhaltung auf dem Online-Portal Facebook Nährboden. Fruchtbaren – auch in anderer Richtung. Hört man sich um, dann wird lockere Kneipenatmosphäre vermisst. Nicht jeder fühlt sich vom Olita-Konzept angesprochen. Es gibt Spielraum und viel mehr Potenzial, vor allem was alternative Leseformate betrifft.

Der eine oder andere erinnert sich vielleicht: Im Café Amsterdam, einer Lokalität am Osterburger Amselweg, ließ Jörg Schwedler vor einigen Jahren seine satirischen Altagsgeschichten von der Leine. Den gebürtigen Eichstedter zog es von der Biesestadt an die Alster. Nach Hamburg, der Arbeit wegen. Doch der Projektmanager für Filme und 3D-Animationen frönt seit über zehn Jahren auch den Worten. Seit 2006 ist er fester Bestandteil der Lesebühne „LÄNGS“ und stellt sich regelmäßig dem Publikum bei modernen Dichterwettstreiten. Diese „Poetry Slams“ sind inzwischen das erfolgreichste Literaturformat in Deutschland. Auch Lesebühnen sind ein weltweit einzigartiges Phänomen, haben ihren Ursprung sogar in Sachsen-Anhalt. Jörg Mantzsch gründete 1987 mit dem Kulturbund die „Erich-Weinert“-Lesebühne in Magdeburg.

Literaturformate wie diese sind anderwso inzwischen fester Bestandteil bei Buchmessen und Literaturfestivals, erzählt er im AZ-Interview.

Wie bist Du zum Schreiben gekommen? Fing das schon in der Schule an?

Schule hat damit nicht viel zu tun. Ich war nie wirklich gut in Deutsch, bin es genau genommen immer noch nicht. Darum lese ich die Texte (lacht). Es fing in Osterburg an, mit Konzert- und Festivalberichten. Dann kamen satirische Texte dazu, wurden von einem Frankfurter Magazin gedruckt und 2004 gab es plötzlich die erste Lesung in Hamburg.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben? Worum geht es?

Verarbeitet wird alles was das Leben an sich und vor allem die Tagespolitik hergeben. Meistens werden daraus Alltagsgeschichten, gerne auch politische Satire, oder eben eine Mischung aus beiden.

Von Jana Henning

Lesen Sie das ganze Interview am Donnerstag im E-Paper und in der gedruckten Altmark-Zeitung.

Mehr zum Thema

Kommentare