Keine 8000 Hektar groß: „Konfliktpotenzial nicht bekannt“

Ein Kompromiss soll ab 17. März die „Altmärkische Wische“ schützen

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Landwirtschaft, Landschaftsschutz und der Mensch: Amtliche Schilder wie hier auf Barsberge (Schutzgebiet „Ostrand der Arendseer Hochfläche“) werden auch für die „Altmärkische Wische“ aufgestellt. Dieses LSG umfasst Teile der Gemeinden Osterburg, Seehausen und Arneburg-Goldbeck. Das Bild unten ist nahe Wahrenberg, dem ostaltmärkischen Storchendorf, entstanden.

Osterburg. Der Countdown läuft. Nach einigem Hin und Her hat beim Landschaftsschutzgebiet (LSG) „Altmärkische Wische“ alles seine Ordnung, zumindest für die Initiatoren. Die Verordnung des Landkreises tritt am 17. März in Kraft.

Damit erhöht sich die Zahl dieser Zonen in östlicher Altmark und Elbe-Havel-Winkel auf insgesamt acht. Sollte das neue LSG anfangs 212 Quadratkilometer groß sein, sind es nun letztendlich keine 80 Quadratkilometer. Ein Kompromiss, wie die Verantwortlichen immer wieder betont haben. So mancher Befürworter hatte sich mehr Fläche erhofft. Die wichtigste Botschaft des Regelwerkes: Bauliche Anlagen, mehr als 20 Meter hoch, sind tabu. Damit werden nicht zuletzt Windradbauer ferngehalten. Der Charakter der Landschaft dürfe nicht so ohne Weiteres verändert werden, heißt es auf Nachfrage aus dem Kreisumweltamt Stendal.

Verbote und Strafen: Ausnahmen möglich

Es gibt eine Reihe weiterer Verbote. So hat der Landkreis ein besonderes Auge auf die Tierhaltung und sogenannte privilegierte Anlagen, bestimmte Prüfwerte sind einzuhalten. Herausragende Hecken und landschaftsprägende Bäume dürfen nicht gerodet werden. Gehölze, die nicht in die heimische Flora gehören, sind nicht willkommen. Kleingewässer und ihre Ränder sowie bedeutsame geologische Erscheinungen dürfen nicht zerstört werden. Für einige Vorhaben müssen Bewohner und Unternehmer vorher eine Erlaubnis einholen. Will beispielsweise ein Landwirt Dauergrünland in Acker umwandeln, bedarf dies der Zustimmung der Aufsichtbehörde. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, begeht laut Landkreissprecherin Angela Vogel eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einer Strafe rechnen. „Ein Konfliktpotenzial ist nicht bekannt.“ Wenn eine altersschwache Brücke ersetzt werden muss, ist dies und anderes mehr aber ausdrücklich von irgendwelchen Genehmigungen und Hürden ausgenommen. Auch dürfen Landwirte, Fischer und Forstleute im LSG „Altmärkische Wische“ weiter wirtschaften, der „guten fachlichen Praxis entsprechend“, wie es in der Verordnung heißt. Und selbstverständlich verhindere der Schutzstatus keine Arbeiten bei einer konkreten Hochwassergefahr, dann müsse schlichtweg gehandelt werden.

LSG und Weltnaturunion: 100 Zonen im Bundesland

Ein LSG ist eine Gebietsschutzkategorie des Naturschutzrechts. Im Unterschied zu Naturschutzgebieten zielen sie auf das allgemeine Erscheinungsbild der Landschaft, sind oft großflächiger angelegt und bei Auflagen und Verboten nicht so rigide. Ein LSG kann auch ausgewiesen werden, um das Landschaftsbild für Tourismus und Erholung zu erhalten. Ein LSG entspricht einem Schutzgebiet der Kategorie V der „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ (Weltnaturschutzunion), einer internationale Nichtregierungsorganisation. In Sachsen-Anhalt existieren etwa 100 dieser Zonen.

Mehr Freiheit für Vogel, Fledermaus & Co.

Das LSG „Altmärkische Wische“ ist die jüngste Schutzzone und mit 7900 Hektar eine der mittelgroßen im Landkreis Stendal. Vogel nennt die anderen Schutzgebiete: „Ostrand der Arendseer Hochfläche“ (7210 Hektar), „Untere Havel“ (28 730), „Arneburger Hang“ (896), „Uchte-Tangerquellen und Waldgebiete nördlich Uchtspringe (12 395), „Aland-Elbe-Niederung“ (17 838), „Tanger-Elbeniederung“ (4900) und „Elbaue Wahlenberge“ (2500). Überall dort sollen sich Vögel, Fledermäuse und andere Tiere willkommen und behütet fühlen. Rastplätze der Zugvögel sind in besonderem Maße zu achten. Die Vegetation darf sich freier entfalten, als außerhalb des Schutzgebietes.

Von Marco Hertzfeld

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