Hans-Jürgen Fritz (62) sieht Stadtfest auf gutem Weg – will es aber nicht mehr federführend koordinieren

„Kann nicht Sache eines Einzelnen sein“

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Ein Staats- und Rechtswissenschaftler mag es bunt: Für Hans-Jürgen Fritz gehören Karussells und andere Schaustellerangebote einfach zum Leben dazu. Gern besucht er Feste in der Region. Auch eine Spieluhr daheim zeugt von dieser Begeisterung. Der gebürtige Altmärker hat das Stadt- und Spargelfest in Osterburg mehrere Jahre lang federführend koordiniert. Schon davor hat er in der Biesestadt seine Spuren hinterlassen. An den Sachsen-Anhalt-Tag 2007 in Osterburg erinnert sich der 62-Jährige dabei besonders gern.

Osterburg. Das Stadt- und Spargelfest in Osterburg ist mit einem Namen fest verbunden. Hans-Jürgen Fritz aus Stendal hat das alljährliche Stelldichein in der Biesestadt federführend koordiniert – und das ehrenamtlich.

Nun verlässt der Staats- und Rechtswissenschaftler sowie frühere kaufmännische Angestellte das Organisations-Karussell und will allenfalls hinter den Kulissen noch einige wenige Strippen ziehen. Die AZ hat mit dem 62-Jährigen gesprochen. Die 18. Auflage ist für den 8. bis 10. Mai geplant. Die Vorbereitungen haben bereits begonnen.

Interview

Sie haben nie viel Wind um die eigene Person gemacht. Selbst von Ihrem Ausstieg wissen bislang nur recht wenige Menschen. Warum haben Sie hingeschmissen?

Wer wie ich viele Jahre als Laienkünstler auf der Bühne stand und Stars wie Karel Gott parodiert hat, der kann sich selbst zurücknehmen. Allerdings: Hingeschmissen habe ich nicht, ich habe meinen Rücktritt erklärt. Das Fest in Osterburg hat seit 2012 eine Größenordnung erreicht, die mit den vorhandenen Strukturen nur noch schwer zu bewältigen ist. Ich möchte Neues auslösen.

Der „Treffpunkt Lebensfreude“, eine Aktion für Menschen mit Behinderung, die „Oldmarkparade“ mit Pferden, Kutschen und Motortechnik sowie nicht zuletzt der Gottesdienst inmitten von Autoskootern sind mit auf Ihrem Mist gewachsen. Wer soll künftig für die Ideen sorgen?

Für die Ideen soll ja eigentlich jeder Osterburger sorgen. Es kann nicht die Sache eines Einzelnen sein. Und eine Idee braucht mitunter Zeit, um erfolgreich umgesetzt zu werden. Bei der ersten Oldmarkparade 2013 waren ein, zwei Pferde und ein Gespann dabei, 2014 war die Resonanz schon deutlich größer. Und in diesem Jahr hat es auf Initiative von Heiko Schmeichel und anderen das erste Bürgerfrühstück gegeben. Die Zahl der Teilnehmer ist noch recht überschaubar gewesen, doch es sollte auch 2015 stattfinden. Die Idee ist gut.

Sie haben das Stadt- und Spargelfest etliche Jahre koordiniert, die Fäden gezogen –und das ehrenamtlich. Hinzu kommt: Sie leben in Stendal und nicht in Osterburg. Was verbindet Sie eigentlich mit der Biesestadt?

Ich bin gebürtiger Stendaler und damit naturgemäß auch gebürtiger Altmärker. Das Fest in Osterburg hat bereits eine gewisse Tradition. Es hat mich gereizt, durch ein Fest für eine größere Identifikation mit der Region zu sorgen. Die Stadt hat einen besonderen Reiz, auch wenn das manch Osterburger selbst vielleicht gar nicht so erkennen kann. Selbst die viel geschmähte Breite Straße ist nicht zu verachten, hat meines Erachtens sogar fast Tangermünder Züge. Immer mehr Bürger nehmen sie an. Ob die Geschäftsleute sie mit Blick auf das alljährliche Fest ausreichend annehmen und mitziehen, ist eine andere Frage. Da gibt es sicherlich noch Luft nach oben.

Osterburgs Politik redet immer wieder einmal ganz gern vom größten Frühlingsfest der Altmark. Wie weit ist das alljährliche Stelldichein von diesem Titel entfernt?

Überhaupt nicht weit. Das Fest wird jährlich von durchschnittlich 3500 bis 5000 Menschen besucht. Das Hansefest in Salzwedel kann sich sicherlich auch sehen lassen. Womit sich des Osterburger Stadtfest überhaupt nicht messen kann, ist das Rolandfest in Stendal. Wobei Osterburg im schaustellerischen Bereich aber inzwischen sogar vor Stendal liegen dürfte. Wir brauchen uns also überhaupt nicht zu verstecken und sind auf einem guten Wege.

Hauptproblem des Stadt- und Spargelfestes ist die Finanzierung. Wie lässt sich die Veranstaltung für die Zukunft auf sichere Füße stellen?

Ganz einfach: Der Vertrag mit dem Ausrichter des Festes, dem Schaustellerbetrieb Lothar Welte, muss für mindestens drei Jahre gelten. So können sich zum Beispiel die eingesetzten Werbemittel amortisieren. Auch die Förderer und Sponsoren sollten für einen längeren Zeitraum gewonnen werden. Für das Fest stehen im Jahr etwa 15 000 Euro zur Verfügung. Davon kommen 5000 Euro vom Ortschaftsrat Osterburg. Das sollte sich in der Zukunft ändern. Ein anderer Topf würde dann auch erlauben, vom größten Fest in der Einheitsgemeinde Osterburg zu reden. Natürlich verdienen auch die kleineren Feste in der Gemeinde eine bestmögliche Unterstützung.

Die Vorbereitungen für die 18. Auflage haben längst begonnen. Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie? Der August-Hilliges-Platz in der Innenstadt soll ja irgendwann in den nächsten Monaten saniert werden.

Wenn der Hilliges-Platz nicht zur Verfügung steht, ist die Anbindung zur Breiten Straße nicht gegeben. Das wäre natürlich bedauerlich. Wenn sich erst einmal andere Laufwege eingebürgert haben, kriegt man das nicht mehr so einfach für ein Volksfest geändert. Die Organisatoren sollten das Ganze also unbedingt im Blick haben.

Was sollten die Organisatoren für 2015 neu angehen und wovon sollten diese dann doch lieber die Finger lassen?

Das Europäische Dorf ist 2014 umgezogen, am Rathaus sollte es auch zukünftig bleiben. Mit dem Stadtfest liegen wir meistens in der Europa-Woche, das bringt Synergieeffekte. Ein wirklich gute Sache. Das Europäische Dorf sollte sogar ausgebaut, ja spürbar erweitert werden. Zumal Bürgermeister Nico Schulz über wichtige Kontakte verfügt und auch das Europa-Forum ein Magnet sein kann. Mit dem Europäischen Dorf kann die Stadt punkten. Von einem Altmärkischen Dorf sollten die Organisatoren allerdings lieber Abstand nehmen, so ein Angebot ist unverwechselbar mit dem jährlichen Sachsen-Anhalt-Tag verbunden.

Welche Perspektive hat das Stadt- und Spargelfest in Osterburg, wie lässt es sich noch attraktiver gestalten?

Vieles hängt davon ab, wie sich das Festgelände entwickeln lässt. Unter den Bäumen zwischen Volksbank und Kirche ließe sich ein historischer Markt aufbauen. Doch auch der würde natürlich Geld kosten. Vielleicht ist so ein Mittelaltermarkt mehr etwas für die mittlere bis weitere Zukunft. Nicht zuletzt Bürgermeister Schulz, Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose und der Wirtschaftsinteressenring WIR haben zur guten Entwicklung dieses Festes beigetragen. Mitarbeiter des Ordnungsamtes tragen die Hauptlast der Arbeit. Der Kreis der Mitstreiter muss einfach größer werden. Ich denke da zum Beispiel an eine feste Beteiligung des Oldtimerstammtisches mit Michael Dihlmann vorweg an der Oltmarkparade. Auch der Reit- und Fahrverein in Krumke sowie organisierte Reiter aus Arneburg-Goldbeck könnten sich einbringen.

Das Fest zum Stadtjubiläum 2007 war zugleich das Landesfest. Unter welchen Umständen könnten Sie sich einen zweiten Sachsen-Anhalt-Tag in Osterburg vorstellen?

Es müssen die materiellen und technischen Voraussetzungen geschaffen sein. So ein Fest braucht nun einmal auch eine sichere Versorgung mit Strom und Wasser. Und natürlich müssen die Osterburger den Sachsen-Anhalt-Tag auch tatsächlich wollen. Wobei sich Osterburg erst einmal um das Altmärkische Heimatfest 2019 bemühen sollte. Alles andere hat Zeit.

Apropos Zeit: Immer wieder haben Sie angeregt, die Stadt-Info aus der Bibliothek an die Breite Straße zu verlegen. Warum eigentlich?

Eine Stadt-Info gehört an die Breite Straße, die Einkaufsstraße der Stadt. Der Standort wäre zentraler und auch mit Blick auf Festivitäten einfach günstiger. Touristen und andere Interessenten könnten sich dort schnell und gut informieren.

Wo werden Sie im kommenden Jahr am zweiten Mai-Wochenende sein?

Was für eine Frage, in Osterburg natürlich. Ich werde für 2015 noch mit meinen Kontakten helfen. Mein Engagement beim nächsten Stadt- und Spargelfest kann aber nicht mehr das vergangener Jahre sein.

Von Marco Hertzfeld

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