Ausbildungszentrum auf Barsberge ohne Unterricht / Nord-Weidmänner erwägen Alleingang

In der Jägerschaft hat es geknallt

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Dieter Smyrek ist seit Mitte der 1970er-Jahre Jäger und hat das Jagdzentrum mit aufgebaut. Im Ausbildungsraum können mehr als 50 Präparate und 70 Trophäen betrachtet werden. Darunter befinden sich etliche Greifvögel. Der Seeadler (unten rechts) stammt aus dem Jagdgebiet von Bernd Falke, Klein Schwechten. Das Tier war dort 2012 todkrank gefunden worden. Die Aufsichtsbehörde hat das Präparieren genehmigt, die Art ist selten und geschützt. Regelmäßig besuchen Schulklassen Barsberge und bestaunen auch den Adler.

Barsberge. Im Jagdzentrum auf Barsberge herrscht ungewöhnliche Ruhe, in diesem Jahr sind dort keine Weidmänner ausgebildet worden. Ob sich das 2015 wieder ändert, ist offen.

„Stendal hat sich ausgeklinkt“, sucht Dieter Smyrek, der Vorsitzende der Jägerschaft Osterburg, nach einer Erklärung. Die Jägerschaft Stendal soll sich an den Energiekosten stören und diese nicht mittragen wollen. In dem Komplex aus DDR-Zeiten findet traditionell die Jungjägerausbildung für den gesamten Landkreis und darüber hinaus statt. Der Wendemarker im Gespräch mit der AZ: „Wenn ein gemeinsamer Unterricht nicht mehr möglich ist, werden wir selbst allein für uns hier die Ausbildung organisieren. “.

Smyrek sieht das Jagdzentrum für die Zukunft gut gerüstet. Möglichst bald sollen Decke und Wände des Gebäudes wärmeisoliert werden. Der 66-Jährige rechnet bei den Kosten mit einem fünfstelligen Betrag und hofft auf Unterstützung des Landes und des Landesjagdverbandes (LJV). „Wir müssen das Schulungszentrum auch für die Zukunft erhalten und es weiter auf einen vernünftigen Stand bringen.“ Das in den 1970er-Jahren eingerichtete Areal habe seine Jägerschaft nach der politischen Wende für einen fairen Preis von der Hansestadt Seehausen erwerben können.

„Es ist bereits einiges passiert.“ Vor gut vier Jahren sind neue Fenster eingesetzt worden. Ein Bismarker Containerbauer hat dabei entscheidend geholfen. Die Räume wurden renoviert, nicht zuletzt die Küche und die Toilette. Rolf Schild aus Walsleben hat dabei im besonderen Maße angepackt. Der LJV hatte sich für die Nordaltmärker stark gemacht, ein fünfstelliger Betrag des Landes hat alles erst ermöglicht. In diesem Jahr hat Reinhard Reck aus Flessau die Klärgrube vor dem Haus den neuen gesetzlichen Anforderungen anpassen lassen. Smyrek: „Ohne Sponsoren und andere Unterstützer wären viele Dinge einfach unmöglich.“

Zu DDR-Zeiten haben in der Regel 25 bis 30 Leute an den Lehrgängen auf Barsberge teilgenommen, inzwischen sind es vielleicht 15 oder ein paar mehr. „Machen wir uns nichts vor. Auch wenn die Ausbildung bei uns hier vergleichsweise kostengünstig ist, bleibt die Jagd an sich eine teure Angelegenheit. Ausrüstung und anderes mehr haben nun einmal ihren Preis. Und: Die Jagd ist nun einmal recht zeitintensiv. Wer seine Aufgabe ernst nimmt, muss also viel investieren.“

Die Jägerschaft Osterburg betreut einen Großteil des nördlichen Landkreises und zählt 375 Mitglieder. Das Durchschnittsalter liegt bei 57 Jahren. „Wir brauchen Nachwuchs. Es gibt genug Anwärter. Wir legen aber Wert auf ortsansässige Jäger, die mit ihrem Dorf verbunden sind und dann jagen, wenn es wirklich notwendig ist.“ Wer Kontakt zu Smyrek sucht, erreicht ihn unter Tel. (03 93 93) 9 29 86.

Der Sprecher der Jägerschaft Stendal war bislang für Fragen der AZ nicht erreichbar.

Von Marco Hertzfeld

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