Sarah Müller-Westernhagen alias „Mimi“ erzählt im AZ-Interview über ihre Musik, ihre Vorbilder und warum Aufregung vor einem Auftritt gut ist

„Ist das Kunst oder kann das weg?“

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„Mimi“, die Tochter von Deutschrocker Marius Müller-Westernhagen, gastierte am Freitagabend gemeinsam mit Stefan Baumann unter dem Sonnensegel am Krumker Kavaliershaus.

Krumke. Am Freitagabend hat Sarah Müller-Westernhagen alias „Mimi“ ein Wohnzimmer-Konzert im Garten des Krumker Kavaliershauses gegeben. Im Anschluss stand die Britin der AZ für ein Interview zur Verfügung.

AZ: Hi Mimi, wie kommt es, dass du den Weg nach Krumke gefunden hast?

Mimi: Der Kontakt zu Annegret (Spillner) und Enrico (Potzesny) kam durch Stefan (Baumann, ihr musikalischer Begleiter) zu Stande.

Stefan: Ich war bereits zweimal mit meiner Band „LebiDerya“ hier und dachte, dass dieser Ort gut zu Mimis Musik passen würde.

AZ: Und was ist der Grund für dein Kommen? 

Mimi: Ich habe einige neue Songs fertiggestellt und ich genieße es wirklich diese zu spielen und zu sehen, dass sie funktionieren. Ich habe heute einige Songs erst zum zweiten Mal vor Publikum gespielt.

Stefan: Wir machen eine kleine Tour, sind heute aus Berlin gekommen und fahren noch weiter nach Leipzig und Jena.

AZ: Wie würdest du deine Musik beschreiben? 

Mimi: Sie ist wie eine Beobachtung, was mir in meinem Leben passiert. Sie ist wie ein Tagebuch. Es ist gut, sich so ausdrücken zu können, weil ich zu schüchtern bin, alles in der Realität auszusprechen.

AZ: Welches ist dein eigener Lieblingssong und welcher von einem anderen Künstler/Band? 

Mimi: Mein Lieblingssong ist ein neuer namens „Four letter words“, was im Englischen ein Begriff für „Schimpfwörter“ ist. Mein Lieblingssong von jemand anderem ist „Andmoreagain“ von der Band „Love“ aus dem Album „Forever Changes“ aus den 60er Jahren.

AZ: Hast du musikalische Vorbilder und wenn ja welche? 

Mimi: Ja, habe ich. Stevie Nicks, die Sängerin von Fleetwood Mac. Sie ist stark und kann sich wie ein Mann verhalten und dabei eine Frau bleiben.

AZ: Bist du vor Auftritten noch aufgeregt oder angespannt? 

Mimi: Ja, ich bin ängstlich und aufgeregt. Aber man würde ja auch nicht mit einer Achterbahn fahren, wenn man nichts dabei empfinden würde.

AZ: Was würdest du machen, wenn Du nicht singen würdest? 

Mimi: Dann würde ich wieder mit Kindern arbeiten. Ein Freund von mir leitet einen Hort, wo ich früher schon einmal mit behinderten Kindern gearbeitet habe. Es ist fantastisch mit Kindern zu arbeiten.

AZ: Du lernst seit drei Jahren Deutsch. Machst du Fortschritte? Hast du ein Lieblingswort oder eine Lieblingsredewendung?

Mimi: Es wird besser und besser. Mein Lieblingswort ist „hügelig“, das ist echt niedlich. Meine Lieblingsredewendung ist „Ist das Kunst oder kann das weg?“

AZ: Welches ist dein Lieblingsbuch und welches deine Lieblingssportart? 

Mimi: Ich lese gerade „Chasing the Scream“ von Johann Hari und es ist dabei mein Lieblingsbuch zu werden. Ich liebe Fußball.

AZ: Hast du Ziele in deinem Leben und wenn ja, welche?

Mimi: Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, mich nicht immer in Alltagssituationen zu entschuldigen.

AZ: Was ist das Wichtigste, was dir deine Eltern mit auf deinen Lebensweg gegeben haben? 

Mimi: Meine Mutter ist eine starke, unabhängige Frau. Sie sagt immer: „Warum machst du es nicht?“ Wenn du etwas tun möchtest, dann tu es. Mein Vater stellt nie jemanden bloß. Das mag’ ich. Beide sind sehr inspirierend.

AZ: Welche Frage würdest du gerne einmal gestellt bekommen und wie würdest du darauf antworten? 

Mimi: Gute Frage. (Überlegt lange.) Was hast du gerne in deiner Kindheit gemacht? Ich bin mit meinem Fahrrad an der Themse entlang gefahren und habe Tiere gerettet. Ich erinnere mich an eine Taube, die ich „Pecky“ genannt habe. Sie hatte sich in einer Schnur verfangen. Außerdem erinnere ich mich an ein graues Eichhörnchen und eine Spitzmaus.

AZ: Vielen Dank für das Gespräch. 

Mimi: Gern geschehen, ich danke Dir.

Von Niels Troelenberg

Nachbericht zum Konzert: "Mimi verzauberte"

Sarah Müller-Westernhagen gastierte in Krumke

sme Krumke. Regelmäßig schaffen es Annegret Spillner und ihr Team die schillerndsten Perlen der diversen Musikgenres ins beschauliche Kavaliershaus in Krumke zu holen. Am vergangenen Freitag wartete somit wieder einmal ein ganz besonderes Highlight auf die Konzertbesucher.

Sarah Müller-Westernhagen, die unter ihrem Spitznamen „Mimi“ auftritt, sang bei sommerlichen Temperaturen in einem „Wohnzimmerkonzert“ draußen unter dem Sonnensegel wunderbare Lieder. Die Tochter von Deutschrocker Marius Müller-Westernhagen sprach zur Verwunderung nur Englisch und bekannte, dass ihr Deutsch nicht wirklich gut sei. Das rührt daher, weil „Mimi“ bei ihrer Mutter im englischen Twickenham aufwuchs.

Die stets gutgelaunte Künstlerin ist ein wahres Multitalent. Bereits als Siebenjährige schrieb sie eigene Lieder und trat im Alter von 15 Jahren zum ersten Mal in einem Folkclub als Sängerin auf. Es folgte 2004 ihre Gründung der Glam-Punk-Band „Battlekat“. Sie versuchte sich unter anderem als Model, in der Malerei und bewies ihre kreativen Fähigkeiten in Modedesign.

Momentan tourt „Mimi“ mit ihrer neuen Begleitband „The Mad Noise Factory“ durch die Lande. In Krumke spielte sie mit Stefan Baumann zusammen. Er begleitete sie auf der Bassklarinette samt Effekten und fungierte zeitgleich als Übersetzer.

„Es ist ein wahnsinnig schöner Ort hier zum Spielen“, befand die begabte Künstlerin und zeigte sich sichtlich beeindruckt von der malerischen Kulisse des Krumker Parks. Und auch das Publikum bekam ausreichend Lob: „Bei Open-Air-Veranstaltungen besteht immer die Gefahr, nicht die volle Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber hier ist es anders. Alle hören zu und sind voll konzentriert – wahnsinnig toll.“

Sarah Müller-Westernhagen präsentierte auf der Gitarre vor allem Songs ihres aktuellen Albums „Nothing But Everything“. Die stimmgewaltige Sängerin zog mit viel Gefühl zum Thema Liebe ihre Zuhörer in den Bann. Es war ein unvergesslicher Abend für alle, für die Musiker ebenso wie für ihr Publikum.

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