Maher Fakhoury: Osterburger Partnerschaft mit Meitar zur falschen Zeit

Israelpläne unter Beschuss: Palästina-Verein übt Kritik

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Die israelische Siedlungspolitik spaltet die Meinungen. Immer wieder kommt es zu Demonstrationen der Palästinenser. Die Lage im Nahen Osten gilt nach wie vor als recht angespannt.

Osterburg / Magdeburg. Die „Vereinigung der Freunde Palästinas in Sachsen-Anhalt“ sieht eine mögliche Städtefreundschaft oder sogar -partnerschaft zwischen Osterburg und dem israelischen Meitar kritisch.

Die AZ hat Maher Fakhoury befragt, ein führendes Mitglied des Vereins, der seinen Sitz in Magdeburg hat. Eine Landesdelegation bereitet sich derweil auf ihre Reise in den Nahen Osten vor. Auf dem Programm für den 4. bis 9. Juni steht unter anderem ein Besuch der Stadt Meitar in der Wüste Negev. Im Flugzeug nach Israel sitzen für Osterburg Dr. Ringhard Friedrich (CDU), Ute Pahl (Linke) und Andreas Schulz, der Vize-Leiter des Markgraf-Albrecht-Gymnasiums. Die Schule will mit einer Lehranstalt in Meitar kooperieren.

Interview

Wie bewerten Sie die Osterburger Initiative?

Jeder friedliche Kontakt zwischen Menschen verschiedener Nationen beziehungsweise Religionen ist grundsätzlich zu begrüßen. Und auch die Palästinenser wünschen sich ein friedliches Zusammenleben mit den Israelis. Eine Städtepartnerschaft macht aber nur dann Sinn, wenn es auch Gemeinsamkeiten zwischen den Städten gibt. Die Menschen von Osterburg sollten sich fragen, welche Gemeinsamkeiten es mit Meitar gibt.

Das Vorhaben soll nicht ganz unumstritten sein, da Meitar aus einer israelischen Siedlung hervorgegangen zu sein scheint. Was ist davon zu halten?

Über diesen Ort ist auch bei den Palästinensern wenig bekannt. Dass er erst 1980 gegründet wurde und direkt an der Grenze zu den besetzen palästinensischen Gebieten liegt, wirft aber die Frage auf, warum sich die israelischen Siedler gerade an dieser Stelle niedergelassen haben und wer die Menschen sind, die dort heute leben. Man sollte die Leute in Meitar fragen, was sie über die Mauer denken, die sie täglich vor Augen haben, und was sie von ihren Nachbarn, den Palästinensern, halten und was von den illegalen Siedlungen in den palästinensischen Gebieten. Unterstützen sie eine friedliche Lösung? Akzeptieren sie die Entstehung eines unabhängigen palästinensischen Staates in den besetzten Gebieten von 1967? Ist Meitar teilweise auf palästinensischen Gebieten gebaut?

Welche Rolle sollte der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern beim Aufbau deutsch-israelischer Beziehungen spielen oder nicht spielen?

Die Deutschen werden im Nahen Osten als Freunde und Partner geschätzt – sowohl von den Israelis als auch von den Palästinensern. Daher kommt ihnen auch eine besondere Verantwortung zu, in dem Konflikt zu vermitteln. Man sollte bei allen freundschaftlichen Kontakten mit einer Seite nicht die Interessen der anderen Seite vergessen.

Welche Chancen sehen Sie momentan in einer Städtefreundschaft zwischen Osterburg und Meitar?

Solche Partnerschaft wird zurzeit nur die radikale Politik der neuen israelischen Siedler-Regierung unterstützen. Diese Regierung ist eine rechtsgerichtete Regierung, die vom Siedlungsbau überzeugt ist und die Zwei-Staaten-Lösung ablehnt.

Skeptiker meinen, dass die Entfernung zwischen beiden Städten zu groß sei und allein schon dieser Umstand ziemlich hinderlich wäre. Was sagen Sie dazu?

Die Entfernung ist heutzutage nicht das Problem. Es muss aber eine gemeinsame Basis in der Bevölkerung für eine Partnerschaft da sein und nicht nur der Wille von offiziellen Vertretern der Stadt.

Von Marco Hertzfeld

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