Pfarrer Lazay bleibt gelassen und treibt Leader-Projekt voran

„Hochzeitskirche“ ignoriert Rivalin: Rosa Schmuckbau droht Konkurrenz

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Friedrich Wilhelm Diterichs’ Kirche in Orpensdorf ist eine wahre Augenweide. Bei näherer Betrachtung sind allerdings deutliche Schönheitsfehler zu erkennen. Der Zahn der Zeit hat an der Kirche, die ähnlich dem Gotteshaus in Garz über einen achteckigen Grundriss verfügt, genagt. Eine Restaurierung ist geplant, das dafür nötige Geld soll vor allem aus dem Leader-Fördertopf kommen.

Orpensdorf. „Konkurrenz? Alleinstellungsmerkmal verloren?“ Norbert Lazay winkt gelassen ab. Der Pfarrer weiß um den ungewöhnlichen achteckigen Grundriss der Kirche in Garz (Havelberg), doch an einen künftigen rosa Farbanstrich dort mag er nicht glauben.

Friedrich Wilhelm Diterichs’ Kirche in Orpensdorf ist eine wahre Augenweide. Bei näherer Betrachtung sind allerdings deutliche Schönheitsfehler zu erkennen. Der Zahn der Zeit hat an der Kirche, die ähnlich dem Gotteshaus in Garz über einen achteckigen Grundriss verfügt, genagt. Eine Restaurierung ist geplant, das dafür nötige Geld soll vor allem aus dem Leader-Fördertopf kommen. Fotos: Hertzfeld

Das Gotteshaus in Orpensdorf, das zu seinem Pfarrbereich gehört, sei und bleibe einzigartig, Punkt, meint der Familienvater schmunzelnd. Die Entwürfe des 1747 errichteten Gebäudes stammen von Friedrich Wilhelm Diterichs, einem Architekten, der auch maßgeblich am Bau des Schlosses Sanssouci in Potsdam mitgewirkt hat. Eine rosa Kirche wie im Gladigauer Ortsteil gibt es weit und breit nicht. Ob ihres lieblichen Äußeren scheint der Sakralbau wie geschaffen für ganz besondere Anlässe und so soll aus ihm bekanntlich eine Hochzeitskirche werden, vielleicht ja schon 2017.

Das Orpensdorfer Projekt soll über das Förderprogramm Leader realisiert werden. Nötige Anträge seien vorbereitet. Über mögliche Kosten lasse sich öffentlich noch nichts sagen. Immerhin, der Denkmalschutz habe bereits Zustimmung signalisiert. „In der Kirche sollen zukünftig nur noch Hochzeiten stattfinden, vor allem im Sommer.“ Der Pfarrer hat bereits die schönsten Bilder im Kopf: preußisches Rokoko, Sonnenschein, Romantik pur. Die Hochzeitskirche könnte auch ein Kraftquell für die an Mitgliedern überschaubare Gemeinde sein. Protestanten, Katholiken und Vertreter anderer christlicher Glaubensgemeinschaften sollen sich vor dem Altar das Jawort geben können. Ob das auch alle anderen dürfen und das Gotteshaus vielleicht sogar Außenstelle des Osterburger Standesamtes wird, darüber sei noch nicht abschließend beraten.

Für Ende August habe sich übrigens ein Paar aus Bayern zur Hochzeit angemeldet, wobei einer der beiden aus Orpensdorf stamme. Es läuft auf eine katholische Hochzeit hinaus. Apropos: In Süddeutschland sollen rosa Kirchen häufiger vorkommen, auch weiter im Osten, wo die orthodoxe Kirche vorherrscht. Farben hätten eine große Symbolkraft. Für Orpensdorf sei das Ganze sogar von Diterichs schriftlich fixiert worden, weiß Lazay, der auch Vorsitzender des Altmärkischen Heimatbundes ist. Rot stehe dabei für die Liebe, das ebenfalls vorhandene Grün für die Hoffnung, Weiß für den christlichen Glauben und Gold unter anderem für die Herrlichkeit Gottes. Inwieweit der Sakralbau nun mehr rosa als rot ist, sei eher nebensächlich und reine Ansichtssache.

Ob die Kirche im etwa 40 Kilometer entfernten Garz nun einen rosa Anstrich bekommt oder doch wieder einen schwarzweißen, scheint derweil noch nicht ganz ausgemacht. Wie der „mdr“ berichtet, können sich nicht alle Einwohner mit einer rosa Bonbonfarbe anfreunden. Das Gebäude sei für 460 000 Euro saniert worden, allein der Außenanstrich fehle noch. Denkmalpfleger hätten an einer Ecke der Kirche eine rote Stelle gefunden und als Rest der historischen Farbe ausgelegt. Das eher kleine Fachwerkhaus ist der Gemeinde zufolge mehr als 300 Jahre alt.

Von Marco Hertzfeld

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