Abfall-Sachkundiger Schultz fordert die „Gelbe Tonne“ für alle und sieht „gigantische Gewinne“ im Spiel

„Handlanger für die Systembetreiber“

+
Die „Gelbe Tonne“ bewegt weiter die Gemüter.

Osterburg. Im Kampf um eine „Gelbe Tonne“ bekommt Thomas Grünthal, Zahntechniker aus Osterburg, Unterstützung aus dem Stendaler Kreistag.

Dietrich Schultz, sachkundiger Einwohner im Umweltausschuss, will sich für ihn und andere Gewerbetreibende, die oftmals keinen Behälter für Leichtverpackungen bekämen, weil sie angeblich keinen Anspruch hätten, einsetzen. „Als oberster Grundsatz gilt, dass jeder, der an die Hausmüllentsorgung angeschlossen ist, auch einen Rechtsanspruch auf eine Gelbe Tonne in ausreichender Größe und mit kostenfreier Entsorgung hat“, ist der Jercheler überzeugt. Grünthal wartet seit einem halben Jahr auf einen Container. Die AZ hatte am Donnerstag unter der Überschrift „Handwerker zeigt Zähne“ darüber berichtet.

Schultz sieht den Knackpunkt in der Finanzierung und grundsätzliche Fehler im System. Industrie und Handel zahlen mehrere Millionen Euro jährlich für die Erfassung und Verwertung der Verpackungsabfälle. „Leider hat sich das duale System so entwickelt, dass die Betreiber, vor allem die DSD-GmbH, die über 48 Prozent der Anteile verfügt, nur noch das Ziel verfolgen, die gigantischen Gewinne, die hier erzielt werden, ständig weiter zu erhöhen. Sie wollen auch aus diesem Grund alle übrigen Beteiligten dazu bringen, möglichst wenige Verpackungen zu erfassen.“ Im Übrigen zahle jeder Bürger, also auch jeder Gewerbetreibende, schon an der Einkaufskasse seinen Anteil für den späteren Umgang mit Verpackungsabfällen.

„Eine große Mehrheit der Fachleute will eine Systemveränderung, die nun über die Bundespolitik organisiert werden muss“, glaubt Schultz. Mit dem nötigen Hintergrundwissen müsse jedem klar werden, dass es nicht die Aufgabe der Vertreter des Landkreises sein könne, sich als „Handlanger für die Interessen der Systembetreiber“ einzusetzen. „Sie haben vielmehr die Pflicht, sich für die Interessen der Bürger und Gewerbetreibenden des Landkreises einzusetzen.“

Der Südaltmärker kommt aus dem Bereich und hat in zwei Bundesverbänden der kommunalen Abfallwirtschaft gewirkt.

Hauptverantwortlich für die Gelbe Tonne im Landkreis seien die Abfallbehörde und die ALS-Dienstleistungsgesellschaft mit Sitz in Osterburg. „Der Landkreis legt den Abfuhrrhythmus und die Abfallbehältergrößen fest und ist verantwortlich für die Kontrolle des Systems Gelbe Tonne.“ Den Abfuhrrhythmus von zwei auf vier Wochen zu erhöhen, sei eine sehr gute Entscheidung gewesen, zu der aber auch die Behältergrößen passen sollten. „Hier haben die Verantwortlichen des Landkreises schwerwiegende Fehler gemacht, da sie sich auf nur zwei Behältergrößen, 240 Liter und 1100 Liter, beschränkt haben und die variablen Möglichkeiten nicht ausgeschöpft haben.“ Schultz denkt dabei vor allem an eine mögliche 120-Liter- oder auch 360-Liter-Tonne. „Ich habe mehrfach eine Nachbesserung, verlangt, leider erfolglos.“

Die DSD-GmbH habe als Vertreter der bundesweit agierenden Systembetreiber (momentan neun Unternehmen) für die Erfassung, Sortierung, Verwertung und Entsorgung der Verpackungen die Verantwortung. Die Tangerhütter Firma Cont-Trans sei nach einer Ausschreibung der Systembetreiber ausschließlich für die Bereitstellung der Behälter nach Vorgaben des Landkreises und die Einsammlung der Verpackungen zuständig, so Schultz. „Es sollte jetzt darum gehen, wirklich alle Bürger und Gewerbetreibenden unbürokratisch an die bedarfsgerechte Gelbe Tonne anzuschließen und die Verpackungsabfälle vollständig zu erfassen.“

Von Marco Hertzfeld

Kommentare