Arbeitgeber aus Büttnershof beklagt mangelnde Ausbildungsvoraussetzungen

Gutshausgastronom fordert österreichische Verhältnisse

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„Es fehlt die Bindung zum Betrieb.“ Bernd Prüfert bildet keine Lehrlinge mehr aus. Auf sein Team ist er aber stolz.

Büttnershof. Hätte Bernd Prüfert einen Wunsch frei, würde das österreichische Arbeitsrecht in Deutschland gelten. Für mehr als 50 Auszubildende war der Gutshaus-Gastronom seit 1999 Lehr-Herr.

„Wir bilden nicht mehr aus“, hat der 68-Jährige nun die Konsequenzen gezogen. Denn gerade für Saisonbetriebe wie Restaurants und Hotels seien 14 Tage Kündigungsfrist wichtig, beneidet der Arbeitgeber aus Büttnershof seine Kollegen in der Nachbarrepublik.

„Unsere Gesellschaft hat sich sehr verändert“, weiß der Inhaber eines der idyllischsten Erholungsorte am Rande des Naturschutzgebiets „Alte Elbe“. Er hat im Lauf der Jahre eine Menge Angestellte beschäftigt. Und immer wieder habe er bei den Damen und Herren „die Bindung an den Betrieb“ vermisst. Noch vor sieben Jahren war er Chef für 18 Lehrlinge in den Bereichen Küche, Service, Hotel und Hauswirtschaft. „Es fehlt vieles schon von Zuhause aus“, beobachtete Prüfert – der von Hause aus gar kein waschechter Gastronom, sondern ein Maschinenbau-Fachmann ist.

An seine Lehrzeit damals in Kiel könne sich der 68-Jährige aber noch gut erinnern. Respekt vor dem Chef sei nämlich selbstverständlich gewesen. „Und wenn wir mal Mist bauten, haben wir das wieder gutgemacht und uns entschuldigt“, sagt Prüfert.

Das sei heute bei vielen jungen Leuten leider ganz anders. Wenn die mal einen Teller fallen ließen und 300 Euro waren futsch, sei es nicht selten vorgekommen, dass anstatt einer Entschuldigung die Ausrede fiel, man habe das ja schließlich „nicht mit Absicht gemacht“. Kindern und Jugendlichen würde heutzutage auch nicht mehr beigebracht, wie mit fremden Eigentum umzugehen sei. Prüfert: „Es geht auch in den Schulen nicht ordentlich zu.“ Und überhaupt, welcher Schulabgänger wisse denn noch, was ein Dreisatz ist und wofür man den brauche.

Um so stolzer ist der Büttnershofer Gutshaus-Chef auf seine Mannschaft. „Das sind alles zuverlässige Leute“, lobt er. Manche seien schon länger als zehn Jahre dabei. Und einige seiner Schützlinge haben inzwischen Karriere gemacht. So wie zum Beispiel eine junge Dame aus Hohenberg-Krusemark, die bei Prüfert in die Lehre ging und inzwischen ein Hotel in Süddeutschland leitet. Es zähle eben das Verhalten – ganz gleich ob Gast oder Gastronom.

Von Antje Mahrhold

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