Walslebener Wildtierhalter resigniert, bemüht nicht Justitia und zeigt sich von Politik enttäuscht

Großer Wolfsriss bleibt unbezahlt

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Isegrim ist weiter auf dem Vormarsch und erobert sich alte Reviere zurück.

Walsleben. Eine der vermutlich bislang größten Wolfsattacken in Sachsen-Anhalt, bei der im Februar dieses Jahres in einem Gatter nahe Walsleben 25 Mufflons und Damhirsche zu Tode kamen, bleibt unentschädigt.

Wildtierhalter Hans-Hermann Thiele will nun doch nicht das Land Sachsen-Anhalt verklagen. Das Verwaltungsamt in Halle hatte ihm nach seinem Antrag im April knapp drei Monate später mitgeteilt, keinen Schadensausgleich zahlen zu wollen. „Ich möchte, ja ich muss mich jetzt wieder auf meine Tiere konzentrieren. Meine Kraft ist aufgebraucht. Die große Politik kann ein kleiner Mann wie ich ja eh nicht ändern. Der Wolf ist da, und keiner steht uns bei“, meint der Ostaltmärker gegenüber der AZ enttäuscht. Er habe mit mindestens 6000 Euro für seine toten Tiere gerechnet.

Für die Behörde ist die Sache klar: „Der Vorfall ereignete sich innerhalb des bekannt gemachten Ansiedlungsgebietes des Wolfes. Daher kann ein Schadensausgleich nur dann gewährt werden, wenn ein ausreichender Grundschutz vorhanden war.“ Und davon sei eben in diesem Fall nicht auszugehen, wie auch ein Rissgutachter festgestellt habe. Denise Vopel, Sprecherin des Landesverwaltungsamtes in Halle, weiter: „Bei der Begutachtung wurde festgestellt, dass keine Umsetzung des geforderten Grundschutzes in Form einer entsprechenden Stromspannung der Zäunung beziehungsweise in Form eines Untergrabschutzes vorhanden war.“ Im Klartext: Nur wer entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen hat, habe auch Anspruch auf eine Entschädigung, so die Vorgabe des Ministeriums.

Thiele will trotz des ganzen Ärgers nicht hinwerfen und auch zukünftig landwirtschaftlich Wildtiere halten. Bei den Mufflons habe es im Frühjahr vier Totgeburten gegeben, die auch dem Wolfsübergriff zuzuschreiben seien. „Der Angriff, das Chaos, der Stress – die Natur vergisst nicht so schnell.“ Der Walslebener will die Zäune des Wildgatters in den nächsten Wochen verstärken, insbesondere andere Pfeiler setzen. Für einen echten Untergrabungsschutz habe er aber vermutlich auch weiterhin kein Geld. „Woher soll es auch kommen, wir leben hier doch nicht in Saus und Braus.“ Thiele glaubt den Wolf oder ein ganzes Rudel noch in der Nähe.

Das Land hat in diesem Jahr bislang 34 Angriffe registriert, für die Isegrim definitiv oder vermutlich verantwortlich ist. In sechs Fällen habe es bis dato eine Entschädigung gegeben, insgesamt fast 18 900 Euro. Im vergangenen Jahr waren es laut Behördensprecherin Vopel 23 Vorfälle. Neunmal wurde eine Entschädigung gezahlt, unterm Strich etwa 5000 Euro.

Von Marco Hertzfeld

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