Osterburger Bürgermeister sieht nicht schwarz und setzt ungebremst auf die Autobahn

Fricopan-Aus als Lehrbeispiel 

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Die Kernstadt der Einheitsgemeinde vor einigen Jahren: Osterburg hat seit der politischen Wende immer wieder sein Gesicht geändert. Straßen wurden erneuert, Baulücken geschlossen. Handwerks- und Gewerbebetriebe beweisen sich am Markt.

Osterburg. „Politik kann vieles, aber nicht alles. “ Das Aus der Großbäckerei Fricopan im westaltmärkischen Immekath mit mehr als 500 Mitarbeitern sei in mehrfacher Hinsicht ein Lehrbeispiel für andere Kommunen in der Region, glaubt Osterburgs Bürgermeister Nico Schulz (CDU).

Zu allererst handele es sich um eine unternehmerische Entscheidung, die große und kleine Politik habe da nur wenig bis keine Einflussmöglichkeiten, egal, wie viel Fördergeld einst geflossen sei, meint das frühere Landtagsmitglied. Und dennoch sollten alle in Zukunft noch etwas genauer hinschauen. Wie andere Gemeinden auch setze die Biesestadt auf die Autobahn und hoffe auf weitere Ansiedlungen. „Wir sind offen für alles, agieren allerdings weiter mit Bedacht. “.

Ein Magdeburger Konsortium möchte im Zuge des Autobahnbaus einen Rasthof nahe Osterburg errichten. Der Stadtrat hat im Sommer 2015 per Beschluss einen Grundstein gelegt. Das 20 Hektar große Areal kann veräußert werden. Verkauft ist damit allerdings noch nichts, es handelt sich um eine reine Option. In diesem Jahr wolle die Stadt für das Gewerbegebiet planungsrechtlich entscheidend vorankommen, sagt Schulz und sieht Osterburg auch so in der richtigen Spur. Ein für die weitere Entwicklung der Einheitsgemeinde wichtiger Flächennutzungsplan solle nun endlich erstellt werden, die Bevölkerungsentwicklung sei längst nicht mehr so düster wie einst prognostiziert.

Dass die Chefetage der Bäckerei die Schließung auch mit schlechten Verkehrsverbindungen begründet hat, will Schulz bewusst nicht kommentieren. „Ich stecke in Fricopan nicht drin. Allerdings macht die Reaktion darauf deutlich, wie wichtig altmärkischen Firmen die Autobahn ist.“ Selbst wenn die Nordverlängerung erst 2022 gezogen sein sollte und nicht, wie Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) immer wieder Glauben machen will, bis 2020, passe dies für Osterburg noch. Dass Ost-Bau, MPA Pharma, das Glaswerk und andere große Unternehmen in der Gegend vorher das Handtuch werfen werden, will der Bürgermeister schon fast ausschließen. „Auch wenn die Autobahn gerade für diese Firmen unbestritten wichtig ist.“

Der Altmarkkreis Salzwedel und der Landkreis Stendal ließen sich nicht gleichsetzen, die Stadt Klötze, zu der Immekath gehört, und Osterburg auch nicht. „Jeder Vergleich hinkt ja irgendwo.“ Dass die Bäckereikollegen aber wahrscheinlich größtenteils in anderen Firmen unterkommen und nicht auf der Straße landen werden, „spricht doch für die gewachsene Stärke einer ganzen Region. Es gibt Alternativen, Arbeit und Hoffnung“, meint Schulz im AZ-Gespräch.

Von Marco Hertzfeld

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