Immerhin: Regional-Chef Schulze will bei Bauprojekt zumindest mitreden

Der Flüchtlings-Initiative fehlt noch das Handwerk

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Unternehmer Hendrik Gose fertigt in der Biesestadt Fenster und Türen. Die Sanierungsinitiative seines Vaters, des Osterburger Ortsbürgermeisters, kann er nicht vollen Herzens unterstützen. „Bei aller Sympathie, doch für dieses Thema sind nun einmal schlichtweg andere Leute zuständig.“

Osterburg. Die Initiative von Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose, das frühere Obdachlosenheim in Osterburg für Flüchtlingsfamilien herzurichten, ist von der Kreishandwerkerschaft Altmark aufmerksam registriert worden.

„Wenn sich Stadt und Handwerker an einen Tisch setzen, können wir dazukommen, mitreden, vermitteln oder in irgendeiner anderen Weise helfen“, sagt Kreishandwerksmeister Hans-Erich Schulze der AZ. Viel mehr Spielraum habe eine Interessenvertretung der Innungen allerdings nicht. „Wir können keine baulichen Leistungen veranlassen, da sind in der Tat die Handwerker in Osterburg und Umgebung gefragt. “.

Die Handwerker reagieren bislang verhalten auf den Vorschlag. „Es ist schön, dass sich die Herren Stadtväter endlich einmal daran erinnern, dass wir ein Bauhandwerk in der Gemeinde haben“, meint Hans Koch sarkastisch. In den vergangenen Monaten und Jahren seien einheimische Betriebe bei der Vergabe von kommunalen Aufträgen allzu häufig leer ausgegangen. Dabei gebe es doch durchaus die rechtliche Möglichkeit, Ausschreibungen so zu gestalten, dass Handwerker aus der Gegend eine größere Erfolgschance hätten. Koch hat den Handwerkerstammtisch Osterburg federführend aufgebaut und ihn zwei Jahrzehnte lang auch koordiniert.

„Das Handwerk in der Altmark ist immer zur Stelle, wenn Bürger in Not sind. Das ist ein Grundprinzip des Handwerks und gilt auch für Flüchtlinge“, sagt Schulze.

Koch ist derselben Meinung und erinnert an Konflikte und Wanderbewegungen der Vergangenheit. Zudem engagierten sich Handwerker der Region immer wieder vorbildlich für den Sport und die Kultur. Hendrik Gose, der in der Biesestadt im größeren Stil Fenster und Türen baut, sieht das auf Anfrage der AZ genauso und nennt mit der Jugendarbeit ein weiteres Feld, auf dem sich ostaltmärkische Handwerker regelmäßig ehrenamtlich und mit Spenden einbringen würden.

Wenn es um Flüchtlingspolitik geht, ist der Sohn des Ortsbürgermeisters allerdings sehr skeptisch. „Ich bin gern bereit, mich in vielen Bereichen zu engagieren, doch dies ist eine hoheitliche Aufgabe anderer und nicht unbedingt die von Handwerkern.“ Zudem gebe es Betriebe, denen es ausgesprochen gut geht, und andere, die sich gerade so über Wasser halten und nicht mal eben auf die Schnelle praktisch helfen oder Geld aus der Kasse holen könnten. Wo also anfangen und wo aufhören, wo um Hilfe für das Projekt bitten und den Handwerker überfordern und wo nicht? „Keine leichte Sache.“

Ortsbürgermeister Gose (CDU) will das Thema im Ortschaftsrat am 23. Februar behandeln (die AZ berichtete). Der Osterburger hatte im Fernsehen von einer Initiative für Flüchtlinge in Franken erfahren und hofft auf ein ähnliches Projekt in der Altmark. Das frühere Obdachlosenheim an der Werbener Straße steht seit längerer Zeit leer und ist ziemlich heruntergekommen. Der Ortschef setzt auf das uneigennützige Können der Handwerker und auf die Hilfsbereitschaft anderer Bürger. Der Landkreis erwartet 2015 gut 1000 zusätzliche Flüchtlinge. Asylbewerber können neuerdings auch außerhalb der Stendaler Gemeinschaftsunterkunft in Wohnungen untergebracht werden.

Nico Schulz, Bürgermeister der Einheitsgemeinde, will das Landratsamt mit der Entwicklung nicht allein lassen und scheint auch deshalb dem Vorschlag seines Parteifreundes zumindest nicht abgeneigt. Bei einer Veranstaltung in der Biesestadt sagte Schulz: „Für solche Leute sollten wir gern die Arme aufmachen. Diese Menschen haben dem Tod in die Augen geschaut.“ Flüchtlinge sollten nicht an einer einzigen Stelle in Stendal zentral leben, sondern auch in umliegenden Orten. So fühle sich auch niemand gleich überbeansprucht.

Von Marco Hertzfeld

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