Junge Leute erforschen Leidensweg jüdischer Osterburger / Gedenktafel vor früherem Less-Haus

Erster Stolperstein in dieser Stadt

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Gunter Demnig hat vor einiger Zeit erste Stolpersteine in Beeskow (Brandenburg) verlegt. Der erste Stolperstein in Osterburg soll vor dem ehemaligen Less-Haus in den Boden.

Osterburg. „Viele Leute sagen, da gibt es nichts. “Daran hat Mathilde Nottrott von Anfang an nicht geglaubt. Die Wendemarkerin begleitet Gymnasiasten innerhalb des Projektes „Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage“ auf Spurensuche in die Vergangenheit.

Die Jugendlichen ermitteln die Namen jüdischer Osterburger, die Opfer der Nationalsozialisten wurden. Mindestens ein vom Künstler Gunter Demnig gefertigter Stolperstein soll nun in biesestädtisches Pflaster eingelassen werden und zum Nachdenken anregen. „Wir dürfen das Geschehene nicht vergessen“, meint Nottrott, die in Stendal Kindheitswissenschaften studiert. Mit drei Kommilitonen unterstützt sie schon seit einiger Zeit die Recherchen der Schüler, die Arbeit soll nach den Ferien fortgesetzt werden.

Jacqueline Näbsch, Fenja Wüstenberg, Willi Splettstößer und weitere Gymnasiasten konzentrieren sich bei ihren Nachforschungen erst einmal auf das Leben des Moritz Less (oder Leß) und seiner drei Töchter. Die Familie hatte an der heutigen Breiten Straße in Osterburg ein Schuhgeschäft. Die Polkauer „Schmiede“, ein Verein für Jugendaustausch und Kultur, hat den Gymnasiasten die Erinnerungen des Erhard Heising, der in dem Haus der Less’ wohnte, zur Verfügung gestellt. Lothar Zahn, federführendes Mitglied, freut sich über das Engagement der jungen Leute und sagt der AZ: „Für uns ist das Thema immer präsent, es sollte möglichst viele Menschen berühren.“

Spätestens im Zuge der sogenannten Reichskristallnacht sahen sich der Witwer und seine Töchter offenen Anfeindungen der Nazis gegenüber. „Dazu kam extra ein Rollkommando aus Stendal, weil sich kein Osterburger getraut hätte, so etwas anzurichten“, heißt es in Heisings Erinnerungen. Die SA-Männer haben demnach alle Glasscheiben des Geschäfts zerschlagen. Ein Teil der Familie verließ Deutschland sofort, ein andere hielt sich in Berlin im Untergrund auf. Eine Tochter soll auf offener Straße erkannt und nach Auschwitz deportiert worden sein. Sie überlebte wie durch ein Wunder, und alle sahen sich nach Ende des Krieges in den USA wieder. [...]

Von Marco Hertzfeld

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