Drei tolle Tage: Königsmarker Traditionsfest zieht auch immer mehr Auswärtige an

Ein Dorf hat die Masche raus

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Jung und Alt ziehen auf der Hauptstraße zum Festplatz.

Königsmark. Auf die Feuerwehr ist Verlass. Pünktlich um 13 Uhr ertönt die Sirene, und das ohrenbetäubend. Jutta Seidel springt auf. Auch ihre drei Jungs hält es nicht mehr im Gras. Der traditionelle Umzug wird keine fünf Minuten zu ihnen brauchen.

„Das Dorffest ist der Höhepunkt in Königsmark und Umgebung“, weiß die junge Mutter, die nun ersten Freunden aus der Schulzeit zuwinkt. Sie lebt längst nicht mehr im Ort, ist mit der Familie zehn Kilometer weiter nach Osterburg gezogen. „Doch von Königsmark kommt niemand niemals richtig los“, nicht nur allein der Eltern wegen, meint sie schmunzelnd. Beim alljährlichen Stelldichein kehren auch jene heim, die anderswo ihr Glück gefunden haben.

Die Hauptstraße ist geschmückt, an vielen Zäunen hängen Luftballons und Girlanden. Wen es nicht gleich mit zum Festplatz nahe der Kirche zieht, applaudiert der Parade aus Kindern der örtlichen Tagesstätte, Brandschützern, Oldtimerfreunden und anderen Feierfreudigen zu. Ein Schild begrüßt in besonderem Maße Gäste des 500-Seelen-Ortes, ein anderes zeugt von der einstigen kommunalen Selbstständigkeit. Der Kultur- und Sportverein der Altgemeinde Königsmark (KSAK) hat auch das 22. Dorffest federführend organisiert. Der Stolz auf diesen Flecken altmärkischer Erde kommt nicht von ungefähr, könnte man meinen, schließlich soll der Ortsname mit dem Rittergeschlecht derer von Königsmark eng verbunden sein.

„Angefangen haben wir damals unter einem GST-Zelt“, erinnert sich Bürgermeister Enrico Günther. KSAK-Vorsitzender Ronald Roefe neben ihm nickt und ergänzt: „Das Fest ist gewachsen, es zieht auch immer mehr Auswärtige an.“ Das Fundament aber blieben die eigenen Leute, die Königsmarker. „Hier zieht jeder mit, wirklich jeder. Ein ausgeprägtes Wirgefühl macht vielleicht den Unterschied, es ist der Motor.“ Dass ein Dorffest mehr als 20-mal organisiert werden könne und das durchaus sehenswert, sei nicht selbstverständlich, so der Ortschef im Gespräch mit der AZ. Der Stellenwert spiegele sich auch in der finanziellen Unterstützung wider. 3150 Euro stellten Sponsoren dieses Jahr zur Verfügung. Danke haben die Organisatoren auch den Senioren und insbesondere Mitgliedern des „Clubs der flotten Maschen“ gesagt, ohne deren Engagement das Dorfleben viel eintöniger wäre. Im kommenden Jahr könnte vielleicht sogar noch ein neuer Chor auftreten, so heißt es.

Bereits alles andere als eintönig liest sich das Programm der drei Tage 2016. „Die Prignitzfabrik“ sorgte am Freitag für Stimmung bis in die Nacht hinein. Die Seehäuser Oldieblaskapelle gab beim Umzug am Sonnabend den Ton an und gestaltete den Nachmittag mit. Und das Magdeburger „Sax’n Anhalt Orchester“ begeisterte vor seiner USA-Tournee das Publikum beim Frühschoppen gestern in Königsmark, ein musikalischer Leckerbissen. Auch so war das Wochenende reich gefüllt. Doch wo anfangen und wo aufhören? Brandschützer forderten in Spaßwettkämpfen Mitglieder benachbarter Feuerwehren heraus. Erwin Moses stellte einen Traktor Lanz Bulldog, Baujahr 1940, vor. Der Goldbecker Rassegeflügelzuchtverein organisierte ein Hähnekrähen. Und nicht zu vergessen: die Voltigiergruppe Rohrbeck, die Wischebläser, das „Königsmarker Chaostheater“ ...

Von Marco Hertzfeld

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