Eines der letzten Jahresfeste der Heilpädagogik vor dem Umzug fesselt auch Teenager wie Flora

Königsmark: „Diese Arbeit ist genau mein Ding“

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Marina Martin und ihr Bruder Horst, der sich in der Tagesförderung befindet, streicheln Schafe.

Königsmark. „Tiere tun den Menschen richtig gut, und diesen noch einmal ganz besonders“, weiß Flora Ruppelt und schaut zu, wie sich Bewohner der „Heilpädagogischen Einrichtung“ wie selbstverständlich der Meerschweinchen annehmen.

Die 16-Jährige packt beim schon traditionellen Jahresfest in Königsmark mit an, lernt dazu und weiß ja eh schon: „Diese oder ähnliche Arbeit ist genau mein Ding. “ Besser noch: Das Mädchen hat den Ausbildungsvertrag zur Sozialassistentin bereits in der Tasche, der zur Erzieherin soll sich möglichst daran anschließen. Damit tritt die junge Altmärkerin ein Stück weit in die Fußstapfen ihres Vaters, der in einem weiteren Objekt der Diakonie, in Wilhelmshof, Menschen mit Handicap hilft.

Marina Martin ist froh über jede Unterstützung. Sie kümmert sich um ihren Bruder Horst, die gemeinsame Mutter könne es nicht mehr. Der ältere Herr und damit die gesamte Familie profitiere von der Tagesförderung in Königsmark, sein gewohntes Umfeld, sein geliebtes Zuhause zu verlassen, falle ihm natürlich dennoch schwer. „Sein Krankheitsbild ist eine große Herausforderung“, zeigt sich die Ostaltmärkerin im Gespräch mit der AZ tapfer. Die Einrichtung bietet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit geistigen oder mehrfachen Behinderungen einen Ort zum Leben und Wohnen. Etwa 30 Plätze stehen dort und in Objekten in Meseberg und Rohrbeck zur Verfügung.

So gut wie alle und alles trifft sich an diesem Nachmittag in Königsmark. Vor dem Haupthaus von kulturhistorischem Wert kündet schon von Weitem sichtbar ein Megaband vom Jahresfest, das diesmal unter dem Motto „Jeder Tag ist ein Geschenk“ steht. Das Gebäude liegt ziemlich idyllisch, ringsum gibt es viel Grün und den einen oder anderen freien Blick in die Ferne. Das Gebäude setzt der Arbeit allerdings Grenzen, vor allem pflegerische. Bekanntlich zieht es die Diakonie Osterburg nach Seehausen, in der Wischestadt soll eine neue Einrichtung gebaut werden. Die Pläne sind nicht neu, eher überreif. Der christliche Wohlfahrtsverband will und kann nichts übers Knie brechen. Und so glaubt auch Thomas Annabring, Bereichsleiter in Königsmark: „Mindestens ein Fest, 2017, schaffen wir noch.“

Weitere Teilnehmer an einer Andacht, die Pfarrer Jens Födisch in der nahen Kirche gehalten hat, treffen ein. Bewohner, Angehörige, Freunde, Betreuer und auch einfach nur neugierige Bürger erobern nach und nach das Areal, dürfen sich einen Großteil der Räumlichkeiten anschauen. Was tabu ist, bleibt tabu. Da gibt es kreative Angebote, dort Speis und Trank, manche suchen nur das Gespräch und genießen das dann doch recht schöne Wetter. Am späteren Nachmittag erhält das mehrere Wochen einstudierte Märchen „Sechse kommen durch die Welt“ Applaus.

Ein gelungenes samstägiges Stelldichein, so der Tenor unter den Gästen. Monika Anna-bring und Kollegen antworten gern und verständlich. „Meerschwein, Kaninchen, Schaf & Co. sind für Menschen wie Horst deshalb so wichtig, weil sie oftmals die einzige Möglichkeit sind, sich um etwas zu kümmern, die Versorgung zu übernehmen, ja sogar zu reden, ein Glücksgefühl.“ Und ja der geplante Umzug in eine Stadt mache Sinn, gibt sie Bereichsleiter und Ehemann Thomas schmunzelnd recht. „Auch wenn das Gelände hier in Königsmark an sich ja unbestritten schön ist.“

Von Marco Hertzfeld

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