Landkreis winkt ab, Stadt forscht nach / Schüler wundert sich über Zustand

Denkmal rottet vor sich hin: Keiner will den ollen Marx

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Daumen hoch oder Daumen runter? Wenn das Marx-Denkmal schon stehen bleiben soll, dann müsste sich auch jemand darum kümmern. Der Theoretiker steht auf wackligem Boden.

Osterburg. Karl Marx droht zu stürzen. Das Denkmal nahe der gleichnamigen Sekundarschule in Osterburg fristet mehr als 25 Jahre nach der politischen Wende ein trostloses Dasein. Schüler und Lehrer lassen es mehr oder weniger links liegen.

Wind und Wetter haben ihre hässlichen Spuren hinterlassen. Das Gesicht des kommunistischen Urvaters ist gezeichnet von Rost und Farbe irgendwelcher Schmierfinken. „Wenn es eine solche Gedenkstätte schon gibt, dann sollte sie auch gepflegt sein, zumindest einigermaßen“, findet der 15-jährige Pascal Rahmsdorf und schaut auf den Sockel aus Stein, der sich allmählich aufzulösen scheint. „Unsere Schule gehört dem Landkreis, ist der vielleicht zuständig?“.

Edgar Kraul winkt ab und kommentiert mit Augenzwinkern: „Der Vater des Kommunistischen Manifestes hat sich für seinen Beobachtungsposten scheinbar ein besonderes Plätzchen ausgesucht. Er steht wahrscheinlich auf Volkseigentum und niemand weiß, wer sich in diesem Fall als Volk angesprochen fühlen soll.“ Der Landkreis sei jedenfalls nicht für das marode Denkmal zuständig, das Liegenschaftsmanagement habe keinen Eintrag gefunden. „Somit kann ich leider nicht zur Aufklärung der weiteren Zukunft von Herrn Marx beitragen. Der Landkreis Stendal wird sich jedenfalls nicht an seinem Kopf vergreifen, weil er uns nicht gehört.“

Pascal kann mit Kommunismus nicht sonderlich viel anfangen. Wer Marx war und für einige Menschen auch nach dem Zusammenbruch des realsozialistischen Machtblocks immer noch ist, weiß der Junge jedoch. „Er hat Ende des 19. Jahrhunderts gelebt und sich mit der Wirtschaft und der Lage der Arbeiter beschäftigt.“ Im Unterricht seien der Philosoph und seine Lehre bislang noch nicht großartig Thema gewesen. Der Achtklässler: „Vielleicht passiert das noch.“

Wer für das Denkmal verantwortlich ist, soll möglichst rasch geklärt sein. Bürgermeister Nico Schulz sagt auf Nachfrage der AZ: „Ehrlich gesagt, habe ich adhoc noch nicht einmal vor Augen, wie es aussieht.“ Dass das Grundstück der Einheitsgemeinde gehöre, könne er nach kurzer Recherche schon einmal vermelden. „Das heißt aber nicht, dass uns auch der Marxkopf gehört.“

Von Marco Hertzfeld

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