Osterburgs ALS treibt Deponie in Ruhestand / Dohme denkt für später allenfalls an Aussichtspunkt

„Das ist auch fast schon der Gipfel“

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Manfred Dohme bringt die Deponie für die ALS mit Sitz in Osterburg in den Ruhestand. Durch die Zersetzungsprozesse im Untergrund entsteht Deponiegas, das abgesaugt wird. Anfangs brachte das einen Erlös von 12 000 Euro im Monat, derzeit sind es noch 6000 Euro. Es bildet sich immer weniger Gas, die Brunnen werden irgendwann demontiert. Pflanzen sind schon jetzt auf dem Vormarsch.

Osterburg / Stendal. „Wir haben es fast geschafft. “ Die frühere Deponie in Stendal ist kaum wiederzuerkennen. 2005 stillgelegt, ist der Berg bereits mit üppigem Gras bewachsen. Nur an einigen wenigen Stellen muss noch Material aufgefüllt werden.

Wer bei guter Sicht in 35 Meter Höhe steht, kann zwar nicht bis nach Osterburg und Seehausen blicken, dafür aber immerhin bis zur Elbe. Deponieleiter Manfred Dohme aus Tangermünde hat seine Heimatstadt quasi täglich auch bei der Arbeit vor Augen. Wenn es um die spätere Nutzung des Deponieberges geht, gibt sich der 52-jährige Mitarbeiter der landkreislichen ALS-Dienstleistungsgesellschaft mit Sitz in Osterburg allerdings sehr zurückhaltend.

Einen Aussichtspunkt einzurichten, sei schon irgendwie reizvoll. „Das ist aber auch fast schon der Gipfel dessen, was ich mir vorstellen kann.“ Von einer Ausflugsgaststätte, einer Sommerrodelbahn oder Zukunftsvisionen in ähnlichen Dimensionen hält Dohme mit Blick auf die mühevoll befestigten Böschungen nichts. Und selbst Fotovoltaikanlagen, wie es sie bereits auf der Alt-Deponie bei Osterburg eine Nummer kleiner geben sollte, seien nicht völlig ohne Risiko. „Es bleibt weiterhin ein sensibles Gebiet.“ 2016 soll das 150 Meter breite Plateau seine geplante Form der Rekultivierung erhalten haben. Die Nachsorge dürfte gut drei Jahrzehnte dauern. „Ich denke, dass das Gelände auch dann noch bewacht und nicht für jedermann frei zugänglich sein wird.“

Circa 2,2 Millionen Kubikmeter Abfall lagern auf dem Gelände nahe der Osterburger Straße in der Kreisstadt. Unter einer speziell gemischten Bodenschicht befindet sich der Müll aus drei Jahrzehnten und der gesamten östlichen Altmark. Restmüll darf seit 2005 nicht mehr unbehandelt abgelagert werden, der aus Osterburg und den anderen Orten des Landkreises Stendal landet im Müllheizkraftwerk in Magdeburg.

Erlaubt sind noch kleine Mengen Bauschutt, mit denen der Deponiekörper für sein sicheres Ende modelliert wird. Bis zu 20 000 Kubikmeter sollen in eineinhalb Jahren noch hinzukommen. Dann ist endgültig Schluss. „Von der Deponie darf keine Gefahr für die Umwelt ausgehen. Deshalb dieser Aufwand“, so Dohme.

Die Natur ist bereits auf dem Vormarsch. Das Gras sprießt, Disteln und andere Pflanzen schießen in die Höhe, Insekten sind unterwegs. „Das sieht hier alles schon sehr idyllisch aus.“ Mehrere Hasen, Igel und mindestens ein Reh und drei Füchse haben den Berg auch schon für sich entdeckt. Sonderlich begeistert ist der Mitarbeiter der ALS davon allerdings nicht, schließlich handele sich um eine technische Anlage. Zudem falle immer noch Deponiegas an, es gibt Leitungen und Gasbrunnen. „Allzu viel Gewimmel können wir hier oben nun wirklich nicht gebrauchen.“

Willkommen sind hingegen Schafe. 2014 ist damit begonnen worden. „Wir wollen einmal in der Saison mit Mähmaschinen anrücken, den Rest des Jahres kommt der Schäfer mit seinen Tieren zum Zug.“ Angst um seine Böschungen habe er in diesem Fall nicht. „Die Tiere bewegen sich sicher und unter Aufsicht“, meint Dohme und schmunzelt. Der Weg führt in Schlangenlinien nach oben, ähnlich wie auf einer Serpentine im Gebirge. Ob sich beispielsweise eine Wandergruppe immer an die Spielregeln halten würde, davon ist der Deponie-Chef nicht überzeugt. „Das kann ich mir derzeit alles nicht vorstellen.“

Von Marco Hertzfeld

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