Neues Wahrzeichen steht und soll Gladigau den Titel bescheren / Fotomotiv für Hochzeitspaare

Burg erobert die Herzen im Sturm

+
Einer hält die Stellung, die anderen rücken gleich wieder an. Dirk Rohbeck, ein Zimmerermeister und Mitglied des Ortschaftsrates, hat die besondere Idee mitgetragen und kräftig angepackt. Der harte Kern der ehrenamtlichen Burgerbauer zu Gladigau besteht aus neun Männern.

Gladigau. Das 200-Seelen-Dorf Gladigau hat ein neues Wahrzeichen. Am Ortsausgang in Richtung Schmersau steht eine stilisierte Burg aus massiven Balken.

Norbert Lazay, Pfarrer in der Osterburger Ortschaft und Vorsitzender des Altmärkischen Heimatbundes, ist regelrecht entzückt: „Mit diesem Pfund lässt sich richtig wuchern. “ Das Objekt ist am Wochenende zusammengesetzt worden, kleinere letzte Handgriffe sind noch zu erledigen. Mit dem ungewöhnlichen Objekt wollen die Einwohner nicht zuletzt beim Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ punkten. Die Jury hat sich für den 22. Juni, einen Mittwoch, angekündigt, Lazay wird wie schon beim erfolgreichen Rundgang auf Landesebene den Moderator geben.

Inspiriert wurde das Projekt von einer Märchenburg, die für die 777-Jahr-Feier 2015 aufgestellt war. Das neue Bollwerk steht auf einem richtigen Fundament und soll der Region deutlich länger erhalten bleiben. Mitarbeiter einer Werkstatt in Potsdam haben die Burg aus 200 Jahre altem Eichenholz zusammengezimmert (die AZ berichtete). Verantwortlich dafür zeichnet ein ehemaliger Gladigauer, der damit auch einen Beitrag für den Dorfwettstreit leisten will und, irgendwie angenehm unaufdringlich, lieber ungenannt bleiben möchte. Finanziert wird das urig anmutende Unikat von Sponsoren aus der Wirtschaft und Geld, das während der Jubiläumsfeierlichkeiten zusammengekommen ist.

Die Burg besteht aus fünf Teilen, ist annähernd siebeneinhalb Meter breit, aber der Statik wegen nicht annähernd so hoch. Durch den Torbogen passt ein Erwachsener ohne große Probleme hindurch. Zwei Türme ragen in die Luft, auf einem ist bereits eine bewegliche Wetterfahne montiert. Sie soll an die Schlacht von 1241 nahe dem Dorf erinnern. Angebracht wird noch das Gladigauer Wappen. Und eine Tafel soll nicht zuletzt Touristen die wichtigsten Informationen zur verlorenen historischen Burg geben, der die Gladigauer ab sofort nicht mehr in dem Maße nachtrauern müssen. Eingefügt werden zudem Auszüge einer spätromantischen Ballade von Wilhelm Schmidt, einem Lehrer, aus dem Jahre 1901, die thematisch passt. „Wir haben ein Erinnerungsdenkmal erschaffen. Wir spinnen nicht, die Grenzburg zwischen zwei Bistümern hat es ja wirklich gegeben“, unterstreicht Lazay.

Die Gladigauer haben für ihr Wahrzeichen auch selbst einiges bewegen müssen, und das ehrenamtlich. Bei einem Arbeitseinsatz war das Gelände im April vorbereitet worden. Weil beim Bauordnungsamt Unterlagen gefehlt hatten, mussten diese noch schnell nachgereicht werden. Das hat Zeit gekostet. Ortsbürgermeister Matthias Müller und Mitstreiter dürften dennoch mit dem Verlauf zufrieden sein.

Das Areal ganz in der Nähe der Biese soll in Zukunft Einheimische und Gäste zum Verweilen oder sogar zu einem Picknick einladen. Und natürlich sei das Bauwerk auch ein attraktives Fotomotiv, womöglich sogar eines für Hochzeitspaare. Einzig Leinöl sorgt für eine gewisse Färbung des blanken, rustikalen Holzes und Schutz vor dem Wetter. Dass der Hingucker weder Spielplatz noch Kletterberg sei, möchte Lazay bei aller Euphorie unbedingt betont wissen.

Von Marco Hertzfeld

Kommentare