„Elbepapst“ Dörfler: Bauhof-Aktion auf der Stadtsee-Insel hat in die Natur eingegriffen

Bruten auf die Hälfte gesunken

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Ernst-Paul Dörfler mit dem Stendaler Albrecht Frank, der ihn auf die Arbeiten auf der Insel aufmerksam gemacht hatte.

Stendal. Geordnet und sauber sieht sie aus, die Insel im Stendaler Stadtsee. Für Gänse ist das ein Gräuel. Sie brüten dort zwar noch – allerdings nicht mehr so gern wie zu der Zeit, als die Stadtsee-Insel noch Totholz, Gestrüpp und Kuhlen hatte.

Das sagt zumindest Ernst Paul Dörfler, bundesweit bekannter Naturschützer und Vogelkundler, Gründungsmitglied der DDR-Grünen und „Elbepapst“.

Nachdem der Bauhof die Insel auf Vordermann gebracht und auch einen morschen Baum entfernt hat, haben sich die Brutbedingungen laut Dörfler verschlechtert. „Gänse bauen kleine Nischen, in denen sie brüten. Sie suchen sich quasi ein Zimmer.“ Was auf der Insel entstanden ist, sei eher ein „Großraumbüro“, in dem die Gänse die Nachbarn sehen, und das versetze sie in Stress. Konsequenz: „Im Vergleich zum Vorjahr sind höchstens die Hälfte der Bruten da“, so der Vogelkundler.

Der Schaden sei gut wieder zu richten, weiß Ernst-Paul Dörfler, wenn man alte Stämme auf die Insel bringt sowie für Ecken, Nischen und Mulden sorgt, in denen die Gänse mit der Privatsphäre, die sie brauchen, nisten können.

Stadtsprecher Klaus Ortmann erklärte, dass die Arbeiten unter anderem nötig waren, um bei einem morschen Baum für Sicherheit zu sorgen – denn auf dem See fahren auch Boote. Die Unberührtheit zu gewährleisten, sei nicht möglich gewesen. Von Seiten der Stadt glaube man, dass die Tiere sich wieder Nistgelegenheiten schaffen.

Von Kai Hasse

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