Museumsverein wünscht sich mehr Platz / Parade bleibt wegen der Kriegsherde abgerüstet

„Blaulicht“ will nicht verstauben

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Vereinsmitglieder und Unterstützer schieben gemeinsam an. Viel Platz ist auf dem Museumsgelände allerdings nicht.

Beuster. Das Blaulichtmuseum in Beuster platzt aus allen Nähten, der Verein kommt mehr und mehr an seine Grenzen. Mindestens ein Nachbargrundstück gehöre der Stadt. „Gespräche mit Bürgermeister Detlef Neumann hat es bereits gegeben, die Signale sind positiv.

Wir würden uns über zusätzliche Flächen freuen“, sagt Vorsitzender Ralf von Hagen der AZ. Das Areal misst vielleicht einen Hektar, was in etwa einem Fußballfeld entspricht. In und vor den Hallen stehen deutlich mehr als 100 Fahrzeuge, dazu kommt diverse weitere Technik. „Wir stauben unsere Schätze nicht nur ab, wir wollen sie auch bewegen. Gerade das macht uns doch auch so erfolgreich. “.

Das Museum ist ein Aushängeschild der Verbandsgemeinde, ja der Region. Der Terminkalender ist übervoll. „Dieses Wochenende geht es nach Ribnitz-Damgarten, anschließend nach Perleberg. Wir waren vor Kurzem in der Prignitz und in Salzwedel, sind regelmäßig in Osterburg. Der Verein ist inzwischen auch in den alten Bundesländern bekannt. Im Ausland sind wir ebenfalls unterwegs, besonders in der Ukraine und Russland. Zu einem Oldtimerverein in Moskau pflegen wir gute Beziehungen“, sprudelt es aus dem gebürtigen Wittenberger, der seit den 70er-Jahren in Werder lebt, nur so heraus. Die Sammlung steht den Besuchern zwischen Mai und Oktober sogar täglich offen, die Museumswoche vom 23. bis 31. Juli lässt die 27 Mitglieder schon jetzt schwitzen. Es werden wieder Tausende Neugierige aus halb Deutschland erwartet. „Niemand sollte vergessen, dass wir das alles hier ehrenamtlich machen.“

Der Verein ist 2003 gegründet worden und muss sich gerade in letzter Zeit immer wieder einmal vorwerfen lassen, die realsozialistische Zeit zu glorifizieren. Von Hagen sieht das inzwischen relativ entspannt: „Wir wollen den DDR-Alltag zeigen. Und deshalb gibt es auf unserem Gelände beispielsweise auch einen Konsum mit typischen Produkten, eine Tankstelle und anderes mehr. Ich glaube nicht, dass dies Politik ist und irgendwas relativiert – oder?“ Die Sammlung umfasst historische Feuerwehr-, Polizei- und Rettungsfahrzeuge aus der DDR und ihren Bruderländern. Ein Höhepunkt der alljährlichen Museumswoche ist eine möglichst perfekt inszenierte Parade.

Schon 2015 haben von Hagen und Mitstreiter reagiert. Menschen und Fahrzeuge paradierten bei Weitem nicht so martialisch wie in den Jahren zuvor. Die ganz große Militärtechnik blieb in der Garage. Kein Raketenträger fuhr auf der Straße vor dem Museum, auch Panzer und Kettenfahrzeuge waren so gut wie nicht zu sehen. Der Verein hat abgerüstet. „Wir sind ja nicht blind und sehen, was in der Welt so alles passiert. Konflikte, Krieg, Flucht – die Menschheit ist in Aufruhr. Da nehmen wir natürlich Rücksicht, auch wenn diese historische Technik nun einmal auch zur DDR gehörte.“

Die Parade 2016 soll dem Blaulicht gehören. Der Beusteraner Verein will Ende Juli in überschaubarem Maße militärisches Blaulicht einreihen, Schusstechnik aber eben nicht. „So ist es momentan auch richtig“, glaubt von Hagen, der einst Biomedizintechnik studiert hat, im Krankenhaus arbeitete, unter anderem auch in einem Verein für deutsche Polizeigeschichte mitmischt und beruflich seit geraumer Zeit dem Gelände des DDR-Nähmaschinenwerks in Wittenberge neues Leben einhaucht. Etliche Firmen haben sich angesiedelt.

Von Marco Hertzfeld

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