Kränzel: Asylbewerber ziehen in Wohnungen – nicht in Massenunterkunft

Die Biesestadt rüstet sich: 150 Flüchtlinge erwartet

+
Das frühere Obdachlosenheim an der Gartenstraße bräuchte eine gehörige Frischekur und spielt in den Überlegungen der Stadt momentan eine eher untergeordnete Rolle. Flüchtlinge sollen stattdessen in Wohnungen der zwei Großvermieter unterkommen.

Osterburg. „Wir werden vorbereitet sein. “ Die Einheitsgemeinde will Flüchtlinge aufnehmen. Osterburgs Vize-Bürgermeister Detlef Kränzel rechnet spätestens für Ende des Jahres mit den ersten Asylbewerbern.

Passend dazu:

Alte Kollwitz-Schule: Quartier für 200 Flüchtlinge

Asylbewerber wollen nach Stadtsee, aber dort gibts kaum noch Wohnungen

Sollte sich an diesem Zeitplan ob der aktuellen Entwicklungen in dieser Welt etwas dramatisch ändern, wüsste die Verwaltung darauf zu reagieren. Doch bislang habe es keine anderen Signale von der zuständigen Landkreisbehörde in Stendal gegeben. Für die gesamte östliche Altmark wird mit mindestens 1500 zusätzlichen Ausländern gerechnet. Die Biesestadt möchte maximal 150 Menschen aufnehmen. „Wir wollen vor allem Familien bei uns begrüßen und dezentral in Wohnungen unterbringen. Massenunterkünfte wird es nicht geben“, betont Kränzel gegenüber der AZ.

Politik und Verwaltung in Osterburg haben schon vor mehreren Monaten ihre Unterstützung angeboten. Bürgermeister Nico Schulz hat immer wieder betont, dass Flüchtlinge in der Kommune willkommen seien. Kulturelle Unterschiede ließen sich meistern. „Wir stehen dem Thema aufgeschlossen gegenüber“, sagt auch Kränzel. Für ihn laute das Zauberwort „Integration“. Die Ausländer sollten nicht irgendwo dicht gedrängt im eigenen Saft schmoren, sondern möglichst harmonisch mit den Einheimischen zusammenkommen. Gespräche mit den beiden Großvermietern der Stadt, der Wohnungsgesellschaft und der Wohnungsgenossenschaft, laufen. „Wir suchen gemeinsam nach geeignetem Wohnraum und werden ihn auch finden“, ist sich der stellvertretende Bürgermeister sicher. „Es gibt da genaue Festlegungen. So sollte beispielsweise eine vier- oder fünfköpfige Familie mit 70, 80 Quadratmetern auskommen. „Natürlich muss auch an Kindergarten, Schule und anderes mehr gedacht werden.“

Das frühere Obdachlosenheim am Ende der Gartenstraße für Flüchtlingsfamilien herzurichten, hält Kränzel für eher schwierig. „Nicht vom Objekt her, das würde passen.“ Gleich nebenan befinden sich die Seniorenbegegnungsstätte der Volkssolidarität und die Ausgabestelle der Stendaler Tafel für wirtschaftlich Schwache. In diesem Umfeld alle Interessen möglichst fair und harmonisch unter einen Hut zu bringen, wäre zumindest eine größere Herausforderung.

Eine Initiative von Ortsbürgermeister Klaus-Peter Gose, das ehemalige Heim über bürgerschaftliches Engagement der örtlichen Handwerksbetriebe zu sanieren (die AZ berichtete), lief ins Leere. Einen zweiten Anlauf hat es bislang nicht gegeben. Der mausgraue Komplex gehört der Stadt.

Kränzel sieht in den Flüchtlingen eine Chance. „Sind wir einmal ehrlich: Der demografische Wandel macht der Region zu schaffen. Es fehlt an Menschen, es fehlt an Facharbeitern. Wenn Flüchtlinge ihre Papiere haben und bleiben dürfen, dann können sie irgendwann wohnen, wo sie wollen. Osterburg sollte sich mühen und kümmern, damit sie möglichst bei uns ihre neue Heimat finden und nicht anderswo.“

Von Marco Hertzfeld

Kommentare