Junger Turmfalke stürzt von Osterburgs Nicolaikirche / Ornithologe: Natur kalkuliert Verluste ein

„Wo es besonders gefährlich ist“

+
Am frühen Morgen liegt ein junger Turmfalke tot am Boden. Kurze Zeit später ist der Kadaver weggeschafft. Dohlen und Turmfalken nisten seit etlichen Jahren in der Osterburger Nicolaikirche. Ob das auch wieder Schleiereulen tun, ist unklar.

Osterburg. Ein kleiner Körper liegt auf den Steinen, der zierliche Schnabel ist leicht geöffnet, Flaum und erste Federn triefen vor Nässe, die Augen sind für immer geschlossen. Ein junger Turmfalke, ein Küken, ist von der Osterburger Nicolaikirche in die Tiefe gestürzt.

Ob die Wetterkapriolen der vergangenen Tage mit Stark-regen und extremer Hitze dabei eine Rolle gespielt haben, ist unklar. Vielleicht liegt die Sache auch ganz einfach. „Passieren kann so etwas immer – ein falscher Tritt und der Jungvogel fällt“, so Torsten Friedrichs, Vorsitzender des Ornithologenvereins Altmark-Ost.

In dem Alter rangelten die Jungen um den besten Platz am Einflugloch, wo die Altvögel die Mäuse bringen. „Sind wenige Mäuse da, sind die Rangeleien entsprechend heftiger. In guten Mäusejahren können bis zu sechs Junge aufgezogen werden.“ Wie viele Küken noch oben im Nest sitzen, vermag Friedrichs derzeit nicht zu sagen. Verluste seien von der Natur einkalkuliert. Besonders gefährlich sei die Zeit nach dem Selbstständigwerden. „Sie haben noch keine Erfahrungen, wo es günstig Nahrung gibt und wo es besonders gefährlich ist“, weiß der Ornithologe und verweist auf Windräder und den Straßenverkehr als Beispiele.

Der Einschnitt wegen der kalten Winter vor einigen Jahren sei überstanden, die Bestände hätten sich auch dank der vielen Nahrung wieder erholt und sogar erhöht. Es gebe schlichtweg ausreichend Mäuse. Der Falke brüte bevorzugt an Kirchen, wie auch die Schleiereule. „Daran sollte man denken, wenn Einfluglöcher zum Schutz vor Tauben vergittert werden.“ Typisch für den Turmfalken sei der sogenannte Rüttelflug. Friedrichs gegenüber der AZ: „Der Vogel steht flügelschlagend in der Luft und beobachtet die Beute am Boden. Wenn die Maus nicht zügig in ihrem Loch verschwindet, wird sie schnell zu einem ,Schnitzel’ für den Falken. Deshalb nannte man ihn früher auch Rüttelfalke. Diesen Jagdflug zeigen die anderen bei uns vorkommenden Falken nicht.“ Dohle und Turmfalke seien in Osterburg bekannt. „Oft brüten an Kirchen auch Schleiereulen. Deren Bestände sind nach kalten Wintern zusammengebrochen und haben sich bis heute nicht vollständig erholt.“

Von Marco Hertzfeld

Kommentare