Bereits jetzt 150 Tonnen eingesammelt / Osterburgs ALS appelliert an Bürger

Beim illegalen Müll droht neuer Rekord

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Der Tourenplan führt Holger Schermer in alle Ecken des Landkreises. Der ALS-Mitarbeiter kontrolliert die Wertstoffplätze und räumt zudem auf, was Müllsünder in die freie Natur werfen.

Osterburg. „Da ist schon wieder so ein blauer Sack voller Unrat." Holger Schermer stoppt seinen Transporter vor dem Glas-Sammel-Iglu, zieht sich Handschuhe an und lädt all das auf, was dort nicht hingehört und die Entsorgungsunternehmen auch bei der nächsten Abfuhr nicht mitnehmen müssen.

Der Mitarbeiter der landkreislichen ALS-Dienstleistungsgesellschaft mit Sitz in Osterburg hat insgesamt 370 Wertstoffplätze auf seinem Tourenplan. Er ist pro Woche durchschnittlich 600 Kilometer unterwegs und säubert immer wieder die kommunalen Containerplätze in Osterburg, Seehausen und anderswo.

Wenn Glas nicht in den Containern landet, sondern irgendwo in freier Natur, hat Schermer zusätzliche Arbeit. „Gerade jetzt im Sommer und bei der Waldbrandgefahr können Scherben eine regelrechte Katastrophe auslösen“, schimpft der 47-Jährige. Doch wenn es nur das wäre. Bei seinen Kontrollfahrten entdeckt er regelmäßig Berge von Müll. „Manche scheinen ihren ganzen Hausstand illegal zu entsorgen.“ Kühlschränke, Fernsehgeräte, Sperrholzplatten, Bauschutt, alte Fahrzeugreifen, aber auch stinknormaler Restmüll landen auf der Ladefläche. „Eine empfindliche Nase darf man in diesem Job nun wirklich nicht haben.“

Die Umweltsünden sind ein wachsendes Problem. In der jüngeren Vergangenheit haben ALS, dazu ein Subunternehmen, das sich vor allem um den Raum Osterburg und Seehausen kümmert, und die Straßenmeistereien jährlich insgesamt etwa 250 Tonnen eingesammelt. 2015 sind es bereits 150 Tonnen. „Die 300er-Marke wird dieses Mal vermutlich überstiegen“, prognostiziert Deponieleiter Manfred Dohme. Allein dem Landkreis entstehen zusätzliche Ausgaben in Höhe von mindestens 90 000 Euro im Jahr. Eine Rechnung, die letztendlich jeder Bürger über die Abfallgebühr mit bezahlt.

Der Dreck muss mühselig eingesammelt, aufwendig sortiert und entsorgt werden. „Das Ganze ist natürlich auch kein Kavaliersdelikt“, warnt Dohme. Wer auf frischer Tat ertappt wird, dem droht eine saftige Geldstrafe. Landkreismitarbeiter schreiben jährlich bis zu 350 Anzeigen. „Leider läuft ein Großteil davon ins Leere, weil es an Zeugen fehlt.“ Für den 52-Jährigen ist das nur schwer zu ertragen. „Für mich hat das nichts mit Denunzieren zu tun. Es kommt verstärkt auf jeden couragierten Bürger an, der sagt, so geht das nicht, denn ich muss mich an die Regeln halten, warum also nicht auch diese Menschen.“

Dohme versteht oft die Welt nicht mehr. „Ist es Bequemlichkeit, Unvermögen, ein neuer Freizeitsport oder doch die pure kriminelle Energie, die solche Leute antreibt?“ Unnötig sei es allemal. Neben der normalen Müllabfuhr gibt es die kostenlose Abholung bestimmter Abfälle und auch die sogenannte Selbstanlieferung für lau. Und wer noch mehr loswerden will: Die Abfallannahme und Umladestation Stendal (AUS), die insgesamt sechs Recyclinghöfe im Landkreis, darunter der in Osterburg, nehmen „humane Preise“, wie Dohme findet. Eine Kleinmenge Altholz koste da beispielsweise zwei Euro.

Im Abfallkalender des Landkreises sind viele Informationen und die Abholkarten (portofrei) zu finden. Die vor einigen Monaten eingeführte kostenlose App der ALS hilft ebenfalls, sich zurechtzufinden. „Niemand muss seinen Müll an den Straßenrand oder mitten in die Natur schmeißen.“ Wenn Asbest, teerhaltige Stoffe, Mineralfasern oder noch viel gefährlichere Stoffe im Spiel sind, versteht Dohme überhaupt keinen Spaß mehr. „Das kommt Gott sei Dank noch eher selten vor. Ob das so bleibt, kann natürlich niemand wissen. Unverantwortlich ist es in jedem Fall.“

Von Marco Hertzfeld

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