Das Konzept steht / Hoffen auf Fördergeld

Barrierefreie Neugestaltung stößt auf wenig Interesse

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Das Bild hat sich seit der Entstehung des Altneubaugebietes in Osterburg laut Ideengeber der Umgestaltung nicht großartig verändert.

Osterburg. Dort, wo die Straßen unter anderem nach Otto, Karl und August benannt sind, scheint die Zeit optisch so gut wie stehen geblieben zu sein. Nicht viel hat sich seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts verändert. Nur der Zahn der Zeit hat am Material genagt.

Die „grüne Wiese mit Häusern drauf“, wie Planer Henry Gnauert das Altneubaugebiet beschrieb, soll mit neu gestalteten Gehwegen, Straßen, Grünanlagen, Parkplätzen, Spiel- und Erholungsorten und auch Müllsammelstationen ins aktuelle Jahrhundert katapultiert werden. Das soll barrierefrei, behinderten- und altersgerecht geschehen – so der Plan.

Das Konzept steht. Es wurde in dieser Woche der Öffentlichkeit im Saal der Stadtverwaltung präsentiert. Interessiert waren vor allem Stadtverwalter und die Vermieter, deren Objekte über 1000 Menschen beherbergen. Von dieser großen Anwohnerzahl zeigte sich jedoch nur ein Mann interessiert an dem Thema. Vielleicht, da die Umsetzung noch Zukunftsmusik ist.

Dem Einheitsgemeindebürgermeister Nico Schulz (CDU) ist die Notwendigkeit bewusst. In dem Gebiet besteht Handlungsbedarf. Die Fördermittel bei guter Platzierung im Wettbewerb „Auf dem Weg zur barrierefreien Kommune“ wären allerdings im kommenden Jahr sehr willkommen. Sollten die Pläne umgesetzt werden, wäre eine Bauphase zirka vier Jahre lang, informierte Gnauert weiter. Drei Millionen Euro sind in die Rechnung eingegangen.

Doch was haben die Planer vor, die ein Gebiet barrierefrei umgestalten wollen, welches aktuell hauptsächlich noch aus Erstbezugsmietern gehobeneren Alters besteht? Und welche Ansprüche bestehen überhaupt? Ein Element der Konzeption sieht vor, die sehr breiten Straßen zu verengen und mehr Platz für Fußgänger auf beiden Seiten der Fahrbahn zu schaffen. Die Gehwege sollen zudem sowohl für Rollstuhlfahrer und Rollatornutzer als auch für Kinderwagen schiebende Menschen ohne große Kanten angelegt werden. „Es gibt laut Verband nur wenige Bürger, die stark in ihrer Sehfähigkeit eingeschränkt sind“, sagte Gnauert. Eine Orientierungshilfe für einen Blindenstock auf den Gehwegen soll es trotzdem geben. Auch, wenn die aktuell dort lebenden Mieter noch über wenige Fahrzeuge verfügten, soll das teilweise wilde Parken in Zukunft nicht mehr nötig sein. Ordentliche Parktaschen gehörten zur Planung, wie auch Straßenbeleuchtung mit neuster LED-Technik, Grundstückszufahrten sowie die „Entschleunigung des Verkehrs zu einer Tempo-30-Zone. Der Ausschuss, der über den Ausgang des Wettbewerbes zur Barrierefreiheit auf Landesebene entscheidet, tagt am 18. November. Zehn Bewerber gebe es in Sachsen-Anhalt.

Von Alexander Postolache

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