Integration: Lebenshilfe, Diakonie und „JuLe“ wollen beim Kicken Probleme kurz ausblenden

Der Ball rollt für ein Miteinander

Kurz vor dem ersten Spiel. Noch ist niemand außer Puste. Mehr als 40 Kinder, Jugendliche und Betreuer treten in Osterburgs Linden-Sporthalle gegen das runde Leder.

Osterburg. „Los geht’s, let’s go!“ Helmut Sasse pustet kräftig in die Trillerpfeife. Nils Döring klatscht ein paar Mal auffordernd in die Hände.

„Mehr Integration geht fast nicht“, schwärmt der Mitarbeiter der Diakonie noch schnell gegenüber der AZ und holt eilig einen weiteren Schwung Freizeitsportler aus der Umkleidekabine. Nun hat auch der letzte Kicker begriffen, dass das Fußballturnier in Osterburgs Linden-Sporthalle beginnt. Die beiden Cheforganisatoren lassen die jungen Leute antreten. Allesamt sind sie heiß auf den Wettstreit. Deutsche mit Handicap sowie Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan treten in sechs Mannschaften gegenein-ander an. Sasse: „Eine absolute Premiere, wir wollen uns alle besser kennenlernen. Der Spaß steht im Vordergrund. “.

Das bedeutet nicht, dass irgendein Ball verloren gegeben wird. Die jungen Leute sind mit Feuereifer dabei. Die deutschen Teilnehmer kommen nicht zuletzt aus Einrichtungen in Osterburg, Königsmark, Rohrbeck, Meseberg und Seehausen. Lebenshilfe, Diakonie, SV Iden und weitere Partner ziehen für das sportliche Projekt an einem Strang. Mit dabei sind auch Jugendliche aus Häusern des JuLe-Netzwerkes in Zühlen und Thielbeer bei Arendsee. Dort sollen unter anderem Schulverweigerer neu motiviert und auf das weitere Leben vorbereitet werden.

„Das passt alles hervorragend zusammen. Fußball verbindet, auch Einheimische und Ausländer“, ist sich Heilerzieherpfleger Döring sicher. Dass die Flüchtlinge kaum Deutsch verstehen, sei im Sport nicht ganz so wichtig und werde sich sicherlich auch bald ändern. Alle hätten sie den Spielen im Modus „jeder gegen jeden“ entgegengefiebert. Auch einige Mädchen sind dabei. Ende Mai soll es ein weiteres Turnier in der Biesestadt geben, dann allerdings draußen auf dem Sportplatz an der Bleiche.

In Seehausen ist kürzlich „Refugium“, eine Wohngruppe für unbegleitete, minderjährige Flüchtlingsjungen, eröffnet worden (die AZ berichtete). Die Migranten können einen guten Ball spielen. Die Begegnungen waren umkämpft. Auch wenn der Spaß erklärtermaßen entscheidend sein sollte, wollte jedes Team gewinnen. Am Ende lag Rohrbeck  II  / Königsmark vor Rohrbeck I und JuLe Zühlen, gefolgt von Meseberg / Seehausen, Lebenshilfe und Thielbeer. Bester Torwart: Michael Döring, Lebenshilfe.

Von Marco Hertzfeld

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