Frühere Verladestation nahe den Gleisen kein Abenteuerspielplatz

Bundespolizei warnt in Osterburg: Bahn-Ruine zieht gefährlich an

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Das Gebäude steht so gut wie leer und scheint dem Verfall überlassen. Mit Holzplatten verrammelte Fenster haben nicht verhindern können, dass Zerstörungswütige eindringen können. Innerhalb und außerhalb des Flachbaus nahe den Gleisen liegt Abfall.

Osterburg. Die Holzplatten sind abgerissen, die Fenster dahinter eingeschlagen. Das nur noch spärliche Inventar ist zerstört, überall im Inneren liegt Müll.

Ein ausrangierter Flachbau neben dem Parkplatz des Bahnhofs in Osterburg scheint zum Tummelplatz für ungeladene Gäste geworden zu sein. Anwohner wollen sogar spielende Kinder gesehen haben – und das direkt neben den Gleisen. Chris Kurpiers, Sprecherin der Bundespolizei mit Sitz in Magdeburg, ist erschrocken und warnt eindringlich: „Bahnanlagen sind kein Spielplatz. Wir können das nicht oft genug sagen. “ Kollegen wollen sich den Bereich schnellstmöglich ansehen und nötige Maßnahmen treffen. „Allein schon das bloße Betreten von Gleisen kostet in der Regel 25 Euro.“ Zu dem Flachbau selbst kann Kurpiers nichts sagen. Offenbar hat die Deutsche Bahn in einem kleinen Teil des Komplexes noch Technik laufen, zumindest lässt das Schild an einer verschlossenen Metalltür dies vermuten. Der große Rest scheint mehr oder minder sich selbst überlassen. Die Fenster vorn sind mit Metallplatten gesichert, die hinten nahe den Gleisen mit Holz. Vermutlich handelt es sich bei dem Komplex um eine ehemalige Verladestation, zu der auch Büros gehörten. Durch die zerstörten Fenster fliegen Schwalben ein und aus, ihre Nester sind noch relativ frisch. Vor dem Gebäude wuchert reichlich Unkraut.

Ein ungemütlicher Ort, der aber dennoch regelmäßig Menschen anzuziehen scheint. „Dort hat niemand etwas zu suchen. Wenn man einen Zug hört, ist es oft schon zu spät. Wer sich an und auf Gleisen befindet, spielt mit seinem Leben.“ Ein Beispiel: Ein Zug, zwischen 1000 und 1200 Tonnen schwer, habe bei Tempo 100 einen Bremsweg von sage und schreibe 1000 Metern. Kurpiers warnt zudem vor der Sogwirkung eines Zuges, die bitte niemand unterschätzen dürfe. „Also, noch einmal Klartext: Bahnanlagen sind tabu. Auch hat keiner Steine zu werfen oder diese auf Schienen zu legen. Allein schon, wenn ein Stein zerbirst, können Splitter weit fliegen und zu Verletzungen führen. Werden größere Gegenstände auf das Gleis gelegt, kann ein Zug sogar entgleisen. Das kann doch niemand wirklich wollen – oder?“

Insbesondere, wenn Kinder im Spiel sind, versteht die Bundespolizei keinen Spaß. Die Sprecherin gegenüber der AZ: „Die Kinder werden belehrt. Sind sie jünger als 14 Jahre, geht es gemeinsam zu den Eltern, die auch noch einmal belehrt werden. Das ist für Kinder ja oftmals das Allerschlimmste. Und nicht zu vergessen: Kommt es wegen irgendeines Unsinns zu Betriebsausfällen, kann die Bahn zivilrechtlich gegen die Verursacher vorgehen. Eltern haften dann für ihre Kinder.“

Von Marco Hertzfeld

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