Kreis fehlt für Erxlebener Messstation das Geld / Stendaler Gerät rechnet sich

Alles andere als blitzschnell: Tempo-Falle braucht Zeit

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Blitzersäulen wie diese sind bei Ordnungshütern momentan ziemlich angesagt. Die Hightech-Messstationen liefern unentwegt Beweisfotos gegen Raser und lassen kommunale Kassen klingeln.

Erxleben / Stendal. Ob ein dauerhaft installierter Blitzer des Landkreises in Erxleben Temposünder ins Visier nimmt, ist noch keine ausgemachte Sache. „Liegt der Antrag der Gemeinde vor, wird die Wirtschaftlichkeit einer solchen Anlage an diesem Standort betrachtet.

Darin fließen natürlich auch Daten aus unserer mobilen Überwachung ein“, erklärt Landkreis-Sprecherin Angela Vogel auf Anfrage der AZ. Die Entscheidung liege auf jeden Fall beim Kreistag und nicht bei der Verwaltung. „Schließlich kann das Ganze eine teure Angelegenheit sein. Da muss die Politik ran. Es gibt zudem mindestens zwei Möglichkeiten: den Kauf und das Mieten. “ Wahrscheinlich befasst sich zunächst der zuständige Ordnungsausschuss mit dem Thema. Da für dieses Jahr keine Haushaltsmittel für ein derartiges Projekt eingeplant sind und es laut Vogel auch für 2015 nicht viel besser aussieht, brauchen die Erxlebener vermutlich einen ziemlich langen Atem.

Der Landkreis hat noch keinerlei Erfahrung mit stationären Blitzern, die Stadt Stendal schon. Kommunen mit mehr als 20 000 Einwohnern können eigene Wege gehen und müssen nicht wie die Einheitsgemeinde Osterburg und ihre Ortschaft Erxleben auf den Landkreis warten. Durch einen speziellen Dienstleistungsvertrag musste die Hansestadt Stendal in Buchholz lediglich einmalig circa 6000 Euro investieren, damit die beidseitige Anlage in Betrieb gehen konnte. Zudem sind monatlich 126 Euro für den Strom fällig. „Der mit dem Dienstleistungsvertrag verpflichtete Partner wird an jedem auswertbaren Bild pauschal beteiligt“, teil Stadt-Sprecher Klaus Ortmann mit. Der Einsatz der zwei Geräte soll die Zahl der Temposünder vermindern helfen, Unfälle verhindern und die Lärmbelästigung für Anwohner verringern. Auf all das hoffen auch die Erxlebener.

Buchholz und Erxleben sind gut 30 Kilometer voneinander entfernt, durch beide Orte führt die viel befahrene Bundesstraße 189. Die Anlage in Buchholz arbeitet seit April 2014. Bisher wurden 9420 Verfahren eingeleitet. Das können sowohl Verwarnungen für geringfügige Verstöße als auch Bußgeldverfahren sein. Circa 147 000 Euro wurden eingenommen. „Da seit Aufstellung der Anlagen die Fallzahlen bereits erfreulicherweise leicht zurückgegangen sind, kann derzeit monatlich mit etwa 20  000 Euro an Einnahmen gerechnet werden“, heißt es aus dem Rathaus. Eine weitere Anlage plant die Rolandstadt nicht, bislang jedenfalls nicht.

Ohne Rückschläge muss derartige Überwachung allerdings nicht bleiben. In Merseburg ist einer dieser Hightech-Blitzer vor wenigen Tagen völlig demoliert worden. Die Polizei geht bei ihren Ermittlungen von blinder Zerstörungswut aus und sucht einen Blitzerhasser. Die zwei Blitzersäulen in Buchholz konnten bislang ungestört arbeiten. Ortmann: „Es sind zwar leichte Spuren am unteren Teil einer Säule sichtbar, die auf Fußtritte hinweisen könnten, aber die Anlagen selbst sind funktionstüchtig. Starke Beschädigungen wurden bisher glücklicherweise noch nicht festgestellt.“

Die Erxlebener haben ihre Hausaufgaben gemacht. Eine sogenannte „Blackbox“ der Polizei hat in einer Woche im September 53 720 Fahrzeuge registriert (die AZ berichtete). Der Verkehr wurde in beide Richtungen gemessen. Im Durchschnitt passieren binnen 24 Stunden 8500 Fahrzeuge den Ort. Die Auswertung liegt dem Antrag bei, mit dem sich nun der Landkreis zu befassen hat. Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Ahrend und der Ortschaftsrat hoffen auf Zustimmung. Die Unterstützung des Osterburger Stadtrates haben sie schon.

Die Buchholzer haben bereits das, was die Erxlebener unbedingt wollen. Durch die Stendaler Ortschaft raste übrigens irgendwann im vergangenen halben Jahr ein Wagen mit 129 Sachen und mehr – direkt in die Tempofalle. Das ist bisher der Rekord, auch nach Abzug der gängigen Toleranzwerte. Angaben zum Fabrikat werden aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht gemacht. Ortmann: „Vielleicht nur so viel: Es war kein Porsche oder Ferrari.“

Von Marco Hertzfeld

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