Landwirt Werner nimmt bis September zwei Nigerianer unter seine Fittiche

Afrikaner säen Selbsthilfe: Öl allein macht nicht satt

+
Theorie und Praxis: Adesuyi Fasola Michael (v.l.), Torsten Werner und Adebayo Waheed Adekunle gehen vor den Silos in Wasmerslage noch einmal das Programm für den Tag durch.

Wasmerslage. „Es gibt dort etwa zu gleichen Teilen Christen und Muslime, das Land ist reich an Ethnien und Konflikten. Nigeria schwimmt im Öl, doch die Preise sind im Keller.“ 

Landwirt Torsten Werner weiß ganz genau, wen er sich in den Betrieb geholt hat, die große unselige Politik soll möglichst draußen bleiben. Ihre Regierung habe das Potenzial der Landwirtschaft erkannt, allein das zähle. Adesuyi Fasola Michael und Adebayo Waheed Adekunle haben in ihrer Heimat bereits die eigene kleine Scholle und wollen bis September erfahren, wie altmärkischer Ackerbau funktioniert. Ihnen geht es vor allem um den Einsatz moderner Technik, neueste agrarwissenschaftliche Erkenntnisse und Formen der Kooperation in der Region.

Als die Nigerianer an diesem Morgen auf dem Hof in Wasmerslage ihr Tagesprogramm angehen, zeigt das Thermometer mehr als 20 Grad Celsius. Und dennoch haben sich beide ihre dickste Arbeitskleidung angezogen. Deutschland mag viele Vorteile haben, das Wetter sei es nicht immer, meint Adebayo und lächelt. Wie sein Kollege hat er ein halbes Jahr Deutsch gebüffelt, das Ergebnis kann sich hören lassen. Die 33-Jährigen seien gut ausgebildet, zeigt sich Werner, der einen Bioackerbaubetrieb hat, im Gespräch mit der AZ durchaus beeindruckt. Adebayo zum Beispiel habe einen Bachelor in Biochemie und wolle nun noch seinen Master machen. Er interessiere sich zudem nicht allein für Ackerbau, sondern auch für Rinderzucht. Werner will ihm deshalb auch die Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau (LLG) in Iden zeigen. Überhaupt sollen die Westafrikaner in möglichst viele Betriebe und Institutionen hineinschnuppern, lernen und da und dort mit Hand anlegen.

Die nigerianische Regierung wolle die Landwirtschaft peu à peu weiter aufbauen und neu strukturieren. In diesem Fall kooperiert die Region Osun im Südwesten des Landes mit Sachsen-Anhalt und dem Landesbauernverband. Die 17 Besten des Ausbildungsprogrammes haben es nun nach Ostdeutschland geschafft. „Allesamt sollen sie dann daheim weiteren Boden bekommen und können sich beweisen. Das ist Hilfe zur Selbsthilfe und vielleicht sogar die beste Form der Entwicklungshilfe. Wobei sich natürlich sicherlich nicht alles eins zu eins von der Altmark auf Osun übertragen lässt“, ist Werner überzeugt.

Von Marco Hertzfeld

Kommentare