Mann hat Arzt in Osterburg beschimpft und geschlagen, weil er zu lange auf die Behandlung seines Babys warten musste

20-Jähriger zu sechs Monaten Haft verurteilt

Osterburg/Stendal. Beim Landgericht Stendal wurde gestern ein Berufungsverfahren gegen einen Mann aus einem Ortsteil der Gemeinde Altmärkische Höhe verhandelt.

Sowohl die Verteidigung, die eine Verringerung der Bewährungsstrafe erreichen wollte, als auch die Staatsanwaltschaft, die eine Verurteilung nach Erwachsenenstrafrecht erreichen wollte, hatten Berufung eingereicht.

Der 20-jährige Leon M. soll mit seiner Mutter und seinem kranken Baby am 16. November 2015 in die Praxis eines Osterburger Arztes gekommen sein. An diesem Tag wäre die Praxis so voll gewesen, dass sie im Wartezimmer keinen Platz bekommen hätten und vor der Praxis ausharren mussten. Nachdem sie eine Weile gewartet hatten, soll die Mutter des Angeklagten, als die Tür der Praxis aufging, hineingegangen sein und lautstark geschimpft haben. Darauf kam der Mediziner aus seinem Behandlungszimmer und die Frau beleidigte ihn vor seinen Patienten. Die Frau verließ die Praxis, der Arzt folgte ihr, um sie zur Rede zu stellen. Vor der Praxis wartete Leon M. mit seinem Kind und fing nun ebenfalls an, den Arzt mit Äußerungen wie „Schwuchtel“ zu beschimpfen und zu beleidigen. Anschließend habe er dem Arzt mindestens zweimal mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Der Mann konnte in den Hof fliehen, wo ihn Leon M. einholte und erneut mehrfach zuschlug, bis andere Ärzte und Patienten dem Mediziner zu Hilfe kamen. Danach sei es noch zu weiteren Wortgefechten aller Beteiligten gekommen, bevor der 20-Jährige mit seiner Mutter und seinem Kind das Areal verließ. Dem Arzt wurde später ein gebrochenes Nasenbein attestiert.

Als der vorsitzende Richter Ulrich Galler seine Ausführungen zum Tathergang beendet hatte, las er ein Protokoll einer Polizeikontrolle vom 21. Mai 2016 vor. An diesem Tag sei Leon M. angehalten worden. Allerdings habe er die Tür nicht geöffnet, weil seiner Meinung nach Deutschland nur eine „GmbH“ sei und die Uniform der Beamten nur eine „Werbefläche“. Wie sich später herausstellen sollte, war Leon M. ohne gültigen Führerschein unterwegs.

Die Plädoyers

In ihrem Plädoyer sagte die Staatsanwältin, dass der Angeklagte mit seinen 20 Jahren keinem Jugendlichen gleichzustellen sei, weil er unter normalen Verhältnissen mit zwei Elternteilen aufwuchs, einen Schulabschluss habe und zurzeit eine Lehre absolviere. Deshalb halte sie eine Haftstrafe von acht Monaten für angemessen, weil er auch nach der besagten Tat noch ohne Führerschein gefahren sei.

Die Verteidigerin erklärte, dass ihr Mandant immer noch 20 sei, erhebliche Reifeverzögerungen habe und unter dem Einfluss der Mutter stehe. Er mache seine Geldgeschäfte nicht alleine, und bei auftretenden Problemen suche er Hilfe bei seiner Mutter. Sie spricht sich dafür aus, es bei dem Urteil des Amtsgerichtes zu belassen. Für eine Prognose, wie sie die Staatsanwältin gestellt habe, gebe es nicht genügend Informationen.

Das Urteil

In seinem Urteil verwarf der Richter die Berufung der Staatsanwaltschaft. Er sagte, es werde Jugendrecht angewendet, weil erhebliche Erziehungsdefizite erkennbar seien. Das zeige sich an den Wutausbrüchen, dem Verhalten gegenüber Ordnungshütern und dem Verhältnis des Mannes zu seiner Mutter.

Da das Hinterherlaufen hinter dem Arzt eine Verrohung zeige, die es zu erziehen gelte, schließe man sich dem Urteil des Amtsgerichtes, was die Länge der Strafe betreffe, an. Allerdings wird die Strafe nicht zur Bewährung ausgesetzt, sondern der Angeklagte muss für sechs Monate in eine Jugendstrafanstalt.

Von Niels Troelenberg

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