Von Woche zu Woche

Der Wolf muss ins Jagdrecht

Da bringt ein mutmaßlich angefahrener Wolf bei Klötze alle möglichen Ämter in Bewegung. Mit dem Ergebnis, dass erstmal festgestellt werden muss, ob die Haare, die am Unfallauto klebten, tatsächlich von einem Wolf stammen. Die Probe wird nach Halle geschickt.

Wie lange so eine Auswertung dauert, ist bekannt. Der Altmarkkreis beruft sich auf eine „Leitlinie Wolf“, in der diese Dinge klar geregelt werden sollen. Wenn ich nicht mehr weiter weiß, gründe ich einen Arbeitskreis ...

Hätte der Wolf noch schwer verletzt am Straßenrand gelegen – wie lange hätte es wohl gedauert, bis ihn jemand von seinen Qualen erlöst? Ein Jäger dürfte das nicht – der Wolf unterliegt nicht dem Jagd-, sondern dem Naturschutzrecht. Die Polizei hätte auch keine Berechtigung. Bleibt der Tierarzt. Doch wie viele Veterinärmediziner haben wohl ein Betäubungsgewehr? Ohne das geht doch niemand an einen verletzten Wolf heran. So muss sich das Raubtier weiter quälen.

Das sind typisch Behörden. Im konkreten Fall hatte die Polizei den Unfall an das Lageführungszentrum in Magdeburg gemeldet. Dort gibt man die Information an die Einsatzleitstelle in Stendal weiter, die den Sachverhalt dem Ordnungsamt des Altmarkkreises Salzwedel meldet. Von dort geht der Fall an das Amt für Naturschutz und weiter an die Referenzstelle Wolfsschutz in Arneburg. Von der Elbe schickt man eine „sach- und fachkundige Person“ an den Unfallort zwischen Klötze und Schwiesau. Da ist nichts mehr zu sehen, sodass die sachkundige Person die Fahrzeughalterin aufsucht, um am Unfallauto Spuren zu sichern.

Wäre der Wolf verletzt am Unfallort aufgefunden worden, hätte die sachkundige Person einen Tierarzt holen müssen. Nur der dürfte entscheiden, ob der Wolf von seinen Qualen erlöst werden darf. Natürlich erst nach einer vom Kreis erteilten Befreiung.

Einen ähnlichen Fall gab es vor vier Jahren im Landkreis Spree-Neiße, als eine junge Wölfin angefahren wurde. Auch dort dauerte es ewig, bis nach der Untersuchung durch einen Tierarzt und nach Rücksprache mit Fachleuten entschieden wurde, das Tier einzuschläfern. Die Wölfin musste ein stundenlanges Martyrium durchleiden.

Es gibt eine Referenzstelle Wolf, es gibt eine Wolfs-App für die Altmärker, es gibt ein Wolfsmonitoring und viele andere Stellen, die von Steuergeldern bezahlt werden. Ist dort noch nie jemandem in den Sinn gekommen, dass so etwas passieren kann und künftig wohl auch häufiger passieren wird und dass dann im Sinne des Tierschutzes schnell gehandelt werden muss?

Der Wolf zeigt längst keine Scheu mehr vor dem Menschen, wie Sichtungen mitten in Siedlungen belegen. Auch bei Klötze soll er bereits am Stadtrand gesehen worden sein. Weitere Aufeinandertreffen sind vorprogrammiert. Stünde der Wolf im Jagdrecht, was nicht automatisch bedeutet, dass er zum Abschuss freigegeben ist, könnte der nächste Jäger oder Förster darüber entscheiden, ob das verletzte Raubtier eine Überlebenschance hat oder erlöst werden muss. Das können Jäger und Förster. Und sie hätten die richtigen Möglichkeiten, im Falle des Falles dem Leiden schnell ein Ende zu bereiten. Auf der „Roten Liste“ der Weltnaturschutzunion IUCN ist der Wolf, weltweit betrachtet, „nicht gefährdet“ und sein Populationstrend „stabil“.

Wenn der Wolf dem Jagdrecht unterliegt – erstmal mit ganzjähriger Schonzeit –, tut man sich auch in nicht allzu langer Zeit leichter, Ausnahmegenehmigungen für Problemtiere zu erteilen oder ihm vielleicht sogar eine generelle Jagdzeit zu geben. Denn dass das kommen wird, ist angesichts der aktuellen Entwicklung nur eine Frage der Zeit.

Von Ulrike Meineke

Rubriklistenbild: © Agenturen

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