Bei Neu Ristedt: "Das Dorf ist in Aufruhr"

Wolf holt sich nächstes Schaf: „Das war ein Großer“

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„Winnetouch“ ist tot: Peter Oestreich von der Referenzstelle Wolf in Arneburg begutachtete gestern Nachmittag ein vom Wolf gerissenes Schaf in Neu Ristedt. Viel ließ Isegrim, der mit fünfeinhalb Zentimetern Eckzahnabstand „ein Großer“ war, nicht über.

Neu Ristedt. Nachdem ein Wolf in der Nacht zu Dienstag in Immekath ein Hausschaf gerissen hatte (wir berichteten), gab es tags darauf bereits den nächsten Verlust eines Nutztieres in der Einheitsgemeinde Klötze zu beklagen.

Diesmal schlug Isegrim auf dem Gelände des Reiterhofes von Britta Meyer-Roschau in Neu Ristedt zu, wo er sich einen Kamerun-Hausschaf-Mix einverleibte. Und: „Es war nicht derselbe Wolf“, konnte Nutztierrissgutachter Peter Oestreich von der Referenzstelle Wolf der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe in Arneburg gestern Nachmittag vor Ort bestätigen.

Fünfeinhalb Zentimetern ergab die Vermessung des wolfstypischen Kehlbisses.

So habe die Vermessung des wolfstypischen Kehlbisses in Immekath eine Länge von viereinhalb Zentimetern ergeben. „Bis vier kann es auch ein Hund gewesen sein“, erklärte der Experte. Im Neu Ristedter Fall beträgt der Abstand zwischen den von den Eckzähnen verursachten Löchern in der Haut dagegen knapp fünfeinhalb Zentimeter. „Das war ein Großer“, weiß Peter Oestreich aus Erfahrung. Sechs Zentimeter sei bisher der größte von ihm ermittelte Wert gewesen.

Auch weitere Merkmale sprächen für einen Wolfsriss, wie der Gutachter erklärte. So etwa der zwar gestern nicht mehr vorhandene, aber fotografisch festgehaltene Pansen. „Der Wolf verschmäht die Innereien – er öffnet den Körper von hinten und schüttelt sie raus. Dadurch entsteht die typische Schleifspur“, erläutert Peter Oestreich im Gespräch mit der Altmark-Zeitung.

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Für Britta Meyer-Roschau hat sich die Schafshaltung nun erledigt. Von einer einstigen Herde hatte sie nur noch zwei Zwillingsschafe, die beide mit der Hand aufgezogen und auf die Namen „Winnetouch“ und „Abahachi“ getauft wurden. „Das waren nicht nur Nutztiere – man hat zu ihnen auch eine emotionale Bindung aufgebaut“, erläutert die Halterin. Nachdem „Winnetouch“ nun das Zeitliche gesegnet hat, wurde „Abahachi“ verschenkt. „Ich kriege fünf Hektar nicht wolfssicher eingezäunt“, so die Reiterhof-Besitzern. Einen Trost hatte Peter Oestreich noch: „Es ging schnell – das Tier musste nicht leiden.“

Kom mentar von AZ-Chefredakteur:

Der Wolf und die Emotionen

Mehr Sorgen macht sich die Neu Ristedterin derweil um ihr Geschäft. „Können wir künftig noch in die Wälder ausreiten? Wie reagiert ein Pferd, wenn es auf einen Wolf trifft? Kann ich meine Tiere nachts noch auf der Weide lassen?“ – das sind Fragen, die sie seit Mittwoch beschäftigen.

Auch die übrigen Einwohner hat der Vorfall nicht unberührt gelassen. „Das Dorf ist in Aufruhr – viele haben Angst“, weiß Britta Meyer-Roschau aus Gesprächen. Dass der nächtliche Wolfsbesuch ein Einzelfall war, glaubt die Reiterhof-Besitzerin nicht. „Die Hunde bellen in letzter Zeit fast jede Nacht. Zahme Katzen verschwinden spurlos“, zählt sie auf.

Bis 15. Mai, so informierte Peter Oestreich, können noch Förderanträge für wolfssichere Umzäunungen beim Land gestellt werden. Der Nutztierrissgutachter kann telefonisch unter Tel. (0162) 3 13 39 49 kontaktiert werden.

Von Matthias Mittank

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