Nächtliche Begegnung an der Feldstraße / Josef Mach: „Das war ein ganz schöner Kawenzmann“

Wolf geht am Stadtrand spazieren

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„Von dort kam er“, zeigt Josef Mach auf der Klötzer Feldstraße stehend in Richtung Ortsausgang. Als er zusammen mit seiner Frau einen Wolf nachts um 1 Uhr auf dem Bürgersteig sah, befanden sich beide keine 100 Meter entfernt in der Waldstraße (rechts).

Klötze. Die sich in immer mehr Regionen Deutschlands etablierenden Wölfe machen seit Kurzem nicht mehr nur durch Schafsrisse auf sich aufmerksam. Zunehmend wird Isegrim auch mitten in Ortschaften gesichtet – selbst tagsüber.

Auch die sich rund um den Klötzer Forst aufhaltenden Wölfe scheinen bereits auf Tuchfühlung mit dem Menschen zu gehen. Der Klötzer Josef Mach ist sich sehr sicher, kürzlich einen der Beutegreifer in der Feldstraße gesehen zu haben.

„Es war vor ein paar Wochen an einem Sonnabend morgens um 1 Uhr“, blickt Josef Mach zurück. Der Klötzer war zusammen mit seiner Frau Helga von Bekannten in der Waldstraße nach Hause unterwegs, als in weniger als 100 Metern Entfernung ein größeres Tier auf dem Bürgersteig der Feldstraße den Weg des Ehepaares kreuzte. „Unter der Straßenlampe war es sehr gut zu erkennen – es war ein Wolf, da bin ich mir zu 100 Prozent sicher“, sagt Josef Mach. Die Eheleute blieben sofort stehen. „Meine Frau war wie zur Salzsäule erstarrt.“ Nach etwa zwei bis drei Minuten gab es noch eine weitere Gelegenheit sich das Tier anzusehen – aus Richtung Feldmark gekommen, kehrte es auf demselben Weg zurück. Die Schulterhöhe des Wolfes schätzt der Klötzer auf gut 80 Zentimeter. „Das war ein ganz schöner Kawenzmann“, sagt Josef Mach. Angst habe er zwar keine verspürt – „ganz unberührt hat mich das aber auch nicht gelassen“, sagt Josef Mach.

Für Helga Mach war es wohl bereits die zweite Begegnung mit einem der Klötzer Wölfe. Mitte Januar mit einer Freundin im Klötzer Forst in Richtung Eisernes Kreuz unterwegs, hatte sie in der Nähe des dort verlaufenen Altmark-Rundkurses wahrscheinlich einen Wolf gesichtet. „Es gab einen kurzen Blickkontakt, und schon war er auch wieder verschwunden“, beschreibt die Klötzerin das kurze Aufeinandertreffen. Seitdem gehen die beiden Frauen lieber in Richtung Fliederallee als im Klötzer Forst spazieren.

Vertraute Wölfe wurden dem Wolfsbeauftragten Eckhard Wegwarth bereits im Herbst gemeldet. So wurde zum Beispiel ein auf der Schwiesauer Chaussee (L 19) im Klötzer Forst anhaltender Autofahrer von einem Wolf aus dem Straßengraben beobachtet. Auch Aufeinandertreffen mit Forstarbeitern und Spaziergängern haben Wölfe meist ohne sofortigen Fluchtinstinkt hingenommen. Ende November kam einer Autofahrerin ein Wolf auf dem Mittelstreifen der L19 entgegen. Vor gut einer Woche wurde auf dieser Strecke vermutlich ein Wolf angefahren.

Von Matthias Mittank

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