Verbraucherzentrale gibt Tipps zu unerwünschten Werbeanrufen / Bundesnetzagentur einschalten

Wenn’s klingelt und keiner dran ist

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Es klingelt und keiner ist dran: Weil Callcenter mehrere Nummern gleichzeitig wählen, kommt es immer wieder zu „Telefonterror“. Wer sich belästigt fühlt, kann die Verbraucherzentrale und die Bundesnetzagentur informieren. Foto: dpa

Kunrau. Wie Karin Riemann aus Kunrau geht es vielen: Das Telefon klingelt, einmal, zweimal. Im Display erscheint eine unbekannte Rufnummer. Und wenn man den Hörer abnimmt, ist keiner dran. Mehrmals am Tag, schon über Wochen, klingelt bei der Kunrauerin das Telefon.

Es ist immer die selbe unbekannte Nummer, die anruft. „Ich fühle mich belästigt“, sagt sie und bat die AZ um Hilfe.

„Es ist verständlich, dass die Anrufe lästig sind. Beschwerden zu unerwünschten Werbeanrufen sind ein Dauerbrenner in unserer Verbraucherberatung“, weiß Gabi Emmrich von der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt in Halle. Sie kann erklären, warum nach dem Läuten keiner dran ist: In den Callcentern werden in der Regel sogenannte „predictive dialer“ eingesetzt. Dabei handelt es sich um ein automatisches Wählprogramm, das nach zuvor definierten Kriterien die Kunden anruft. Zur besseren Auslastung der Callcenter werden dabei mehrere Rufnummern gleichzeitig angewählt. Sobald die ersten Angerufenen das Gespräch angenommen haben, werden die anderen laufenden Anrufe abgebrochen. Die Rufnummern werden dann auf Wiedervorlage gelegt und zu einem späteren Zeitpunkt erneut angewählt. „Das heißt, es klingelnd laufend und keiner ist dran“, so Gabi Emmrich.

Obwohl seit einer Gesetzesänderung 2013 die Nummern der ungebetenen Anrufer nicht mehr unterdrückt werden dürfen, rät Gabi Emmrich dringend davon ab, diese Nummern zurückzurufen. „Das sollte man generell nicht machen“, warnt sie, da die Kunden sonst in eine Kostenfalle tappen könnten.

Besser ist es, sich die Nummer und die Zeit des Anrufes zu notieren und die Verbraucherzentrale sowie die Bundesnetzagentur zu informieren. Die Verbraucherzentrale kann gegen die Unternehmen wettbewerbsrechtlich vorgehen, notfalls vor Gericht. Zudem läuft derzeit bei der Verbraucherzentrale eine Umfrage zu ungebetenen Werbeanrufen. Denn: „Unerbetene Werbeanrufe stellen nicht nur eine unzumutbare Belästigung dar, sondern sind verboten“, heißt es in einem Faltblatt der Verbraucherzentralen zu diesem Thema. Mit dem Ergebnis der Umfrage wollen die Verbraucherschützer eine gesetzliche Regelung erreichen, dass alle während eines unerlaubten Werbeanrufs geschlossenen Verträge in Textform bestätigt werden müssen. Zudem sollen die Anforderungen an wirksame Einwilligungen in Telefonwerbung gesetzlich konkret geregelt werden. So wird belästigende Telefonwerbung für unseriöse Unternehmen wirtschaftlich nicht mehr lukrativ und Zahl der Anrufe nimmt ab. Über die Bundesnetzagentur können bei unerlaubter telefonischer Belästigung Bußgelder verhängt werden.

Weitere Informationen zum Thema und einen Link zu der Umfrage gibt es im Internet unter www.vzsa.de oder bei der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Salzwedel, An der Mönchskirche 7, die dienstags von 10 bis 13 und 14 bis 18 Uhr sowie donnerstags von 14 bis 18 Uhr geöffnet ist.

Von Monika Schmidt

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